WSM fordert stärkeren Schutz für Stahlverarbeiter und niedrigere Arbeitskosten
von Hubert Hunscheidt
Die Stahl- und Metallverarbeitung fühlt sich in der aktuellen industriepolitischen Debatte zu wenig berücksichtigt. Während die Aufmerksamkeit derzeit vor allem den Stahlherstellern gelte, würden die Belange der weiterverarbeitenden Industrie häufig in den Hintergrund treten, kritisiert der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM).
Nach Angaben des Verbandes beschäftigt die Stahlverarbeitung rund fünfmal so viele Menschen wie die eigentliche Stahlindustrie. Insgesamt arbeiten demnach nahezu 500.000 Beschäftigte in Unternehmen der Blech- und Massivumformung sowie bei Herstellern von Schrauben, Federn und weiteren Metallprodukten.
Vor diesem Hintergrund fordert der WSM eine Ausweitung der europäischen Safeguard-Maßnahmen auf stahlverarbeitende Produkte. WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer warnt davor, den Fokus ausschließlich auf die Stahlproduzenten zu richten. Der zunehmende Wettbewerbsdruck durch Importe aus Asien belaste zahlreiche mittelständisch geprägte Unternehmen der Branche. Auftragsrückgänge hätten bereits zu einer tiefgreifenden Strukturkrise geführt und gefährdeten Beschäftigung sowie Wertschöpfung in vielen Regionen.
Neben einer Erweiterung der Schutzmaßnahmen sieht der Verband vor allem die hohen Standortkosten als zentrales Problem. Neben den Energiepreisen und dem bürokratischen Aufwand würden insbesondere die Arbeitskosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen. Der WSM fordert deshalb eine Senkung der Lohnzusatzkosten auf 40 Prozent.
Kritisch bewertet der Verband zudem die zurückhaltende Haltung der Bundesregierung bei europäischen Local-Content-Regelungen. Aus Sicht des WSM sollten öffentliche Förderprogramme stärker an europäische Wertschöpfung gekoppelt werden. Dies gelte insbesondere für Zukunftsbranchen wie die Elektromobilität, in denen staatliche Fördermittel eingesetzt werden.
Mit seinen Forderungen will der Verband die Wettbewerbsfähigkeit der stahlverarbeitenden Industrie stärken und eine weitere Verlagerung von Produktion und Arbeitsplätzen ins Ausland verhindern.
Quelle und Foto: WSM - Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V.