Worldsteel: Stahlnachfrage erholt sich langsam – Wachstum ab 2027
von Hubert Hunscheidt
Die World Steel Association erwartet eine schrittweise Erholung der globalen Stahlnachfrage. Laut aktuellem Short Range Outlook (SRO) vom April 2026 soll die Nachfrage im laufenden Jahr um 0,3 Prozent auf 1,724 Milliarden Tonnen steigen, bevor sie 2027 mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 1,762 Milliarden Tonnen stärker wächst.
Nach mehreren Jahren rückläufiger Entwicklung deutet sich damit eine Stabilisierung an. „Die globale Stahlnachfrage erreicht derzeit ihren Tiefpunkt und geht in eine Phase moderaten Wachstums über“, erklärte Alfonso Hidalgo Calcerrada, Vorsitzender des Economics Committee von worldsteel.
Regionale Unterschiede prägen Entwicklung
Die Erholung verläuft regional unterschiedlich. In China verlangsamt sich der Rückgang der Nachfrage, der 2026 noch bei rund minus 1,5 Prozent liegen dürfte. Hintergrund ist eine allmähliche Stabilisierung im Immobiliensektor sowie weiterhin unterstützende Infrastrukturinvestitionen.
Deutlich dynamischer entwickeln sich andere Regionen. Indien bleibt der Wachstumstreiber mit prognostizierten Zuwächsen von 7,4 Prozent im Jahr 2026 und 9,2 Prozent im Jahr 2027. Auch Afrika gewinnt an Bedeutung und profitiert von Infrastrukturprojekten und Urbanisierung.
Für die Industrieländer zeichnet sich nach mehreren schwachen Jahren eine Trendwende ab. Die Nachfrage in der EU, den USA, Japan und weiteren entwickelten Märkten soll 2026 leicht wachsen und 2027 weiter an Dynamik gewinnen.
Europa mit moderater Erholung
Für die EU und Großbritannien erwartet worldsteel ein Nachfrageplus von 1,3 Prozent im Jahr 2026 und 3,0 Prozent im Jahr 2027. Impulse kommen vor allem aus steigenden Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben sowie einer leichten Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig bleibt die Region anfällig für Energiepreisschwankungen, die weiterhin ein wesentliches Risiko darstellen.
Geopolitik als Unsicherheitsfaktor
Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt der Konflikt im Nahen Osten. Während die Region ursprünglich als Wachstumstreiber galt, wird nun für 2026 ein deutlicher Rückgang der Stahlnachfrage erwartet.
worldsteel geht in seiner Prognose davon aus, dass sich die Lage im Laufe des zweiten Quartals stabilisiert. Sollte der Konflikt länger andauern, wären spürbare Abwärtskorrekturen bei der Nachfrageentwicklung möglich – insbesondere in energieabhängigen Regionen.
Strukturelle Faktoren bleiben entscheidend
Neben geopolitischen Risiken beeinflussen auch strukturelle Entwicklungen die Nachfrage. In vielen Regionen bleibt die Industrie mit hohen Kosten, schwacher Baukonjunktur und einem anspruchsvollen Investitionsumfeld konfrontiert.
Gleichzeitig zeigt sich, dass sich die globale Nachfrage zunehmend diversifiziert: Während China an Bedeutung verliert, gewinnen Schwellenländer und wachstumsstarke Regionen an Gewicht.
Fazit: Stabilisierung mit vorsichtigem Optimismus
Die Prognose von worldsteel signalisiert eine vorsichtige Trendwende im globalen Stahlmarkt. Nach Jahren der Schwäche zeichnet sich eine Stabilisierung ab, die 2027 in eine breitere Erholung übergehen könnte.
Entscheidend bleibt jedoch, wie sich geopolitische Risiken und wirtschaftliche Rahmenbedingungen entwickeln – sie werden maßgeblich bestimmen, ob der Aufschwung nachhaltig trägt.
Quelle: Worldsteel Association / Foto: marketSTEEL