GEO: So verändert KI die Pressearbeit von Industrieunternehmen

von Hubert Hunscheidt

Wer wissen möchte, welcher Stahl sich für eine bestimmte Anwendung eignet, wie sich CO₂ bei der Produktion einsparen lässt oder welche Unternehmen eine bestimmte Bearbeitungstechnologie anbieten, tippt seine Frage längst nicht mehr nur bei Google ein.

Immer häufiger wird eine KI gefragt.

ChatGPT, Perplexity, Gemini und andere KI-Systeme verändern die Art, wie Informationen im Internet gesucht und gefunden werden. Statt zehn Treffer anzuklicken und die passenden Informationen selbst zusammenzutragen, erwarten Nutzer zunehmend eine konkrete Antwort auf ihre Frage.

Für die Pressearbeit von Unternehmen ist das durchaus eine kleine Zeitenwende.

Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, bei Google möglichst weit oben zu stehen. Interessant wird auch die Frage: Was weiß die KI über unser Unternehmen, unsere Produkte und unser technisches Know-how?

Nach SEO kommt GEO

Dafür hat sich inzwischen ein Begriff etabliert: Generative Engine Optimization, kurz GEO.

Während SEO darauf abzielt, Inhalte für klassische Suchmaschinen gut auffindbar zu machen, geht GEO einen Schritt weiter. Informationen sollen so klar, konkret und fachlich belastbar im Netz vorhanden sein, dass sie auch von KI-gestützten Such- und Antwortsystemen gefunden, verstanden und im besten Fall als Quelle herangezogen werden können.

Das klingt komplizierter, als es zunächst ist.

Denn vieles von dem, was gute GEO ausmacht, gehörte schon immer zu guter Fachkommunikation: klare Aussagen, konkrete technische Daten, nachvollziehbare Zusammenhänge und eine eindeutige Zuordnung von Produkten, Technologien und Kompetenz zu einem Unternehmen.

„Wir bieten innovative Lösungen für höchste Ansprüche“ hilft dabei wenig.

Welche Lösung? Für welche Anwendung? Welche Werkstoffe können bearbeitet werden? Welche Abmessungen sind möglich? Wie viel Energie wird eingespart? Welche Kapazität erreicht die neue Anlage?

Solche Informationen interessieren Fachleser. Und sie geben zugleich Such- und KI-Systemen etwas, womit sie arbeiten können.

Fachmedien bekommen eine zusätzliche Rolle

Damit gewinnen Veröffentlichungen in Fachmedien eine weitere Dimension.

Eine Meldung auf marketsteel erreicht zunächst unsere Leser über die Website und den wöchentlichen Newsletter. Sie bleibt aber auch danach im Netz. Eine neue Anlage, ein Anwenderbericht, ein Interview oder ein Fachbeitrag kann deshalb noch Monate oder Jahre später bei einer Recherche gefunden werden.

Das war bereits bei Google so. Mit KI-Systemen kommt nun ein weiterer möglicher Zugangsweg hinzu.

Wer beispielsweise nach Herstellern einer bestimmten Stahlverarbeitungstechnologie sucht, sich über neue Verfahren zur Dekarbonisierung informiert oder Anbieter für eine spezielle Anwendung recherchiert, kann seine Recherche heute mit einer einzigen ausführlichen Frage an eine KI beginnen.

Woher die Antwort kommt, hängt auch davon ab, welche belastbaren Informationen über ein Unternehmen öffentlich verfügbar sind.

Pressearbeit wird damit auch Wissensarbeit

Das verändert den Blick auf Fach-PR.

Eine Pressemitteilung ist nicht mehr ausschließlich eine Nachricht mit kurzer Halbwertszeit. Gut gemacht, wird sie Teil des öffentlich verfügbaren Wissens über ein Unternehmen.

Noch deutlicher wird das bei Fachartikeln, Interviews und Anwenderberichten. Hier lassen sich Erfahrungen und technisches Wissen vermitteln, für die in einer klassischen Produktmeldung häufig kein Platz ist.

Ein Anlagenbauer kann erklären, warum sich ein bestimmter Prozess verändert. Ein Stahlhändler kann über neue Anforderungen seiner Kunden berichten. Ein Softwareanbieter kann zeigen, wo Digitalisierung im Stahlhandel tatsächlich Zeit spart. Und ein Anwender kann beschreiben, welche Erfahrungen er mit einer neuen Technologie gemacht hat.

Damit entsteht fachlicher Inhalt, der nicht nur heute gelesen werden kann.

Die KI lässt sich nicht bestellen

Eines sollte allerdings klar sein: Niemand kann seriös versprechen, dass eine Veröffentlichung automatisch dazu führt, bei ChatGPT, Gemini oder Perplexity in einer Antwort genannt zu werden.

GEO ist kein Schalter, den man umlegt.

Aber ein Unternehmen, über das im Netz kaum mehr zu finden ist als eine Produktseite und einige Werbesätze, liefert einer KI naturgemäß weniger verwertbare Informationen als eines, dessen Kompetenz durch konkrete Fachbeiträge, Projekte, technische Daten und unabhängige Veröffentlichungen dokumentiert ist.

Deshalb dürfte eine alte Regel der Pressearbeit im KI-Zeitalter sogar wichtiger werden: Nicht möglichst viel erzählen. Sondern möglichst viel Substanz liefern.

Und was hat marketsteel davon?

Natürlich schreiben wir diese Serie nicht ganz uneigennützig.

marketSTEEL bietet Unternehmen aus Stahl, Metall, Maschinen- und Anlagenbau eine Plattform, ihre Themen einem Fachpublikum vorzustellen. Über aktuelle Meldungen ebenso wie über Interviews, Anwenderberichte oder Fachartikel. Der wöchentliche Newsletter bringt diese Inhalte zusätzlich direkt zu unseren Lesern.

Gleichzeitig bleiben die Beiträge online verfügbar und damit auffindbar – für klassische Suchmaschinen und zunehmend auch für KI-gestützte Recherchen.

Vielleicht sollte deshalb bei der Kommunikationsplanung für 2027 neben der Frage „Wo erreichen wir unsere Zielgruppe?“ noch eine zweite stehen:

Wo hinterlassen wir fachliche Spuren, wenn morgen jemand – oder eine KI – nach genau unserer Kompetenz sucht?

Quelle: marketSTEEL / Foto: Fotolia