Autor: von Hubert Hunscheidt

11.07.2019

Weltweit modernste Schmiedelinie im Saarland

thyssenkrupp hat gestern die Investitionsentscheidung zum Bau einer neuen Schmiedelinie am Standort Homburg im Saarland getroffen. Das Unternehmen investiert dort rund 80 Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte für geschmiedete Vorderachsen für Nutzfahrzeuge. Langfristige Lieferverträge mit Lkw-Herstellern konnten dafür abgeschlossen werden. Die Erweiterung der bestehenden Fertigung von thyssenkrupp im saarländischen Homburg ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Standortes.
 
Dr. Alexander Becker, CEO der Business Unit Forged Technologies bei thyssenkrupp: „Unsere Kunden haben sich ganz bewusst für den Standort Homburg entschieden. Sie haben ihre Aufträge dort platziert, um sich in Zeiten von internationalen Zollrisiken und steigenden Logistikkosten eine verlässliche Zulieferung dieser Spezialbauteile innerhalb Europas zu sichern. In Sachen Fertigungs-Knowhow, Produktqualität und Liefertreue können wir damit die spezifischen Stärken des Standortes Homburg im internationalen Wettbewerb ausspielen.“
 
Das Werk ist seit Jahren einer der leistungsstärksten Produktionsstandorte im globalen Werksverbund des Schmiedegeschäfts von thyssenkrupp. Der Standort ist Marktführer für geschmiedete Kurbelwellen und beliefert weltweit Kunden aus der Automobilindustrie. Mit der Fertigung von Vorderachsen für Nutzfahrzeuge erschließt sich das Unternehmen ein neues Produkt- und Kundensegment. Diese Fahrwerkskomponenten sind antriebsunabhängig und werden auch bei einer stärkeren Durchdringung der Elektromobilität im Transportverkehr weiterhin benötigt.
 
Herzstück der neuen hochautomatisierten und digitalisierten Schmiedelinie am Standort Homburg ist eine rund zehn Meter hohe und 1.700 Tonnen schwere Schmiedepresse mit einer Presskraft von 16.000 Tonnen. Das entspricht umgerechnet dem Gewicht von rund dreißig der größten heute verfügbaren Passagierflugzeuge.
 
Dr. Franz Eckl, Geschäftsführer des Schmiedewerks in Homburg: „Die Hauptpresse der neuen Schmiedelinie ist die erste Exzenterpresse, die weltweit in dieser Größenordnung, Leistungskraft und mit dieser Umsetzungsgeschwindigkeit in Betrieb geht. Mit diesem Aggregat können wir jährlich rund 360.000 Schmiedekomponenten herstellen. Dabei sind wir nicht auf ein Produkt begrenzt. Neben Vorderachssystemen können auf dieser Schmiedelinie je nach Bedarf auch Kurbelwellen oder andere Schmiedebauteile produziert werden.“
 
thyssenkrupp fertigt seit 1947 geschmiedete Komponenten am Standort Homburg. Mit derzeit rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört das Werk zu den größten Arbeitgebern in der Region. Durch die Neuinvestition werden in den kommenden Jahren rund 70 neue Arbeitsplätze bei thyssenkrupp in Homburg entstehen. Baustart für die weltweit modernste Schmiedelinie ist Anfang 2020. Die neue Produktionsstätte wird auf insgesamt rund 12.000 Quadratmeter Fläche innerhalb des bestehenden Werkareals errichtet. Die Fertigstellung und der Beginn der Serienlieferung sind für Anfang 2021 geplant.
 
thyssenkrupp hat 2017 seine globalen Schmiedeaktivitäten zu einer neuen Geschäftseinheit (Business Unit) innerhalb der Komponentensparte zusammengeführt. Ziel der Integration war eine effizientere Steuerung der weltweiten Schmiedewerke sowie die Bündelung der Wertschöpfungskompetenz zur Entwicklung neuer Produkte in bestehenden und neuen Märkten. Die Business Unit Forged Technologies ist heute eines der größten Schmiedeunternehmen der Welt mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Das Produktportfolio umfasst geschmiedete und bearbeitete Komponenten und Systeme für die Automobil- und Baumaschinenindustrie sowie für den allgemeinen Maschinenbau. Das Unternehmen betreibt an weltweit 17 Standorten rund 50 Schmiedelinien und verfügt über ein breit aufgestelltes Händlernetzwerk in über 70 Ländern. Im Schmiedegeschäft von thyssenkrupp sind derzeit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Quelle und Vorschaufoto: thyssenkrupp AG