Weltenergieverbrauch steigt auf Rekordniveau – Erneuerbare treiben Elektrifizierung voran
von Hubert Hunscheidt
Der weltweite Energieverbrauch hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Nach Angaben des Energy Institute Statistical Review of World Energy 2025 stieg die gesamte Energieversorgung (Total Energy Supply, TES) gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent. Damit erreichten alle wichtigen Energieträger bereits zum zweiten Mal in Folge neue Höchststände.
Gleichzeitig beschleunigt sich die Elektrifizierung der Weltwirtschaft. Der Stromverbrauch legte um drei Prozent zu und wuchs damit erneut schneller als die gesamte Energieversorgung. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen, der Ausbau von Rechenzentren sowie der steigende Energiebedarf durch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz.
Ein Meilenstein wurde bei der Stromerzeugung erreicht: Der zusätzliche Strombedarf des Jahres 2025 wurde vollständig durch CO₂-arme Energiequellen gedeckt. Erneuerbare Energien und Wasserkraft überholten Kohle erstmals als wichtigste Quelle der Stromerzeugung. Die fossile Stromproduktion ging insgesamt zurück.
Besonders dynamisch entwickelte sich die Solarenergie. Weltweit stieg die Solarstromerzeugung um 30 Prozent, während die installierte Batteriespeicherkapazität um 66 Prozent zunahm. Solarenergie allein war für 71 Prozent des Wachstums der erneuerbaren Energien verantwortlich und machte diese erstmals außerhalb einer Rezession zum größten Wachstumstreiber der globalen Energieversorgung.
Trotz dieser Entwicklung nahmen die energiebedingten CO₂-Emissionen weltweit um 1,1 Prozent zu. Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während Chinas Emissionen lediglich um 0,3 Prozent und Indiens um 0,9 Prozent zunahmen, verzeichneten die USA einen Anstieg um 3,2 Prozent. Ausschlaggebend war unter anderem eine um 13 Prozent höhere Stromerzeugung aus Kohle.
Auch regional verlief die Energiewende unterschiedlich. China installierte mehr neue Wind- und Solarkapazitäten als alle anderen Länder zusammen und reduzierte gleichzeitig die Kohleverstromung. In Indien gingen Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas zurück, während die erneuerbare Stromproduktion um nahezu 24 Prozent zulegte. Europa steigerte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um sieben Prozent, wobei schwächere Wasserkrafterträge den Zuwachs teilweise ausglichen. In Großbritannien stieg die Solarstromproduktion sogar um 37 Prozent.
In den USA nahm die Solarstromerzeugung um 28 Prozent zu, die Windenergie dagegen lediglich um drei Prozent. Gleichzeitig stieg die Kohleverstromung deutlich an. Erstmals weist der Bericht zudem den Stromverbrauch von Rechenzentren separat aus. Weltweit belief er sich 2025 auf 788 Terawattstunden, davon entfielen rund 40 Prozent auf die USA.
Auch bei der Ölproduktion verschieben sich die globalen Gewichte. Die Staaten des amerikanischen Kontinents fördern inzwischen rund 20 Prozent mehr Erdöl als der Nahe Osten. Allein in den USA stieg die Öl- und Gasproduktion 2025 um vier Prozent. Nach Einschätzung der Studienautoren trägt diese Entwicklung zur Stabilisierung der Energieversorgung und zur Verringerung geopolitischer Risiken bei.
Das Energy Institute sieht die weltweite Energieversorgung an einem Wendepunkt. Zwar schreite die Elektrifizierung schneller voran und erneuerbare Energien gewännen kontinuierlich an Bedeutung. Gleichzeitig machten die steigende Energienachfrage, weiterhin wachsende Emissionen sowie geopolitische Unsicherheiten deutlich, dass erhebliche Investitionen in Netze, Speichertechnologien und Energieeffizienz erforderlich bleiben.
Quelle: Energy Institute / Foto: marketSTEEL