Was der US-China-Gipfel für die deutsche Wirtschaft bedeutet
von Hubert Hunscheidt
Neun Jahre ist es her, dass ein US-Präsident zum letzten Mal nach China gereist ist. Von Mittwoch bis Freitag trifft nun erstmals seit 2017 Donald Trump in Peking auf Xi Jinping. Verhandelt wird über die Zollpolitik – mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft. Ob und zu welchen Bedingungen Washington und Peking sich einigen, entscheidet, ob deutsche Unternehmen profitieren oder unter die Räder geraten.
Deutschland könnte bei Seltenen Erden als Verlierer dastehen
Steigen die US-Zölle auf chinesische Waren wieder auf rund 50 Prozent – das Niveau vor dem Urteil des US-Supreme-Court –, wäre das für deutsche Exporteure eine Chance. Sie tragen eine geringere Zollbelastung als chinesische Wettbewerber und könnten auf dem US-Markt Anteile gewinnen. Voraussetzung: Trump hält sich an den EU-US-Deal mit einem Maximalzoll von 15 Prozent auf europäische Importe. Einigen sich Trump und Xi hingegen auf niedrigere Zölle, entfällt dieser Vorteil. Noch problematischer wäre es, wenn China sich – wie schon in Trumps erster Amtszeit – zu Käufen von US-Produkten verpflichtet. Dann verlieren deutsche Exporteure Marktanteile in China.
Beim Thema Exportbeschränkungen steht Deutschland zwischen den Fronten: Die USA beschränken Chinas Zugang zu modernen Halbleitern, China kontrolliert die Versorgung mit Seltenen Erden – auch gegenüber der EU. Ein 2025 geschlossener Burgfrieden läuft im Herbst 2026 aus. Halten sich deutsche Unternehmen an US-Sanktionslisten, riskieren sie Vergeltung Pekings. Ignorieren sie die US-Vorgaben, droht der Ausschluss vom amerikanischen Markt. Im besten Fall lockert Peking seine Exportrestriktionen generell, also auch für uns. Wahrscheinlicher: Trump sichert sich eine vorrangige US-Rohstoffversorgung – und China droht die Daumenschrauben gegenüber Europa weiter anzuziehen, um die EU davon abzuhalten, sich gegen chinesische Wettbewerbsverzerrungen zu schützen. Ohne chinesische Seltene Erden stockt die Produktion von Elektromotoren, Windkraftanlagen und manchem mehr.
EU spielt in Verhandlungen keine Rolle
Schon jetzt muss man ernüchtert konstatieren: Die EU ist bei alldem Zaungast, ihre Interessen spielen in den Verhandlungen keine Rolle. Doch Einsicht ist immer der erste Schritt zur Besserung: Will Europa nicht Spielball zweier Großmächte bleiben, muss es sich unabhängiger von China machen. Der Gipfel sollte Ansporn sein, beim De-Risking der Lieferketten – vor allem auf der Importseite – endlich wirklich ernst zu machen.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. / Foto: Fotolia