Was bedeutet die BRICS-Erweiterung für die Wirtschaft?

von Angelika Albrecht

Wenn aus BRICS künftig BRICS Plus wird, umfasst das Bündnis statt bislang fünf Länder bald elf Staaten. Mit der ursprünglichen Idee einer Wirtschaftskoalition hat das nicht mehr viel zu tun, meint das IW. Stattdessen dürfte es vor allem darum gehen, ein geopolitisches Gegengewicht zu bilden. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich.

Das BRICS-Bündnis sollte ursprünglich aufstrebende Schwellenländer bündeln – die Wirtschaft der vier Gründer Brasilien, Russland, Indien und China wuchs jahrelang enorm, teilweise sogar bis zu zehn Prozent jährlich. Bis heute machen sie einen erheblichen Teil der Weltwirtschaftsleistung aus. Schon die Erweiterung um Südafrika im Jahr 2010 erschien unter diesem Aspekt zumindest fragwürdig, denn das Land ist trotz seiner regionalen Bedeutung kein ökonomischer Riese.

Keine ökonomischen Schwergewichte unter den neuen Mitgliedern

Die neue Erweiterung deutet darauf hin, dass statt ökonomischen Motiven geopolitische Kalküle wichtiger werden. Denn die sechs neuen Mitglieder tragen nicht wesentlich zur Weltwirtschaftsleistung bei und erhöhen das Bruttoinlandsprodukt der BRICS-Familie lediglich von knapp 26 Billionen auf etwa 29 Billionen – eine Steigerung von gerade einmal 12,5 Prozent. Der Abstand zur Wirtschaftsleistung der G7 bleibt somit nahezu identisch. Nur Saudi-Arabien und Argentinien spielen wirtschaftlich überhaupt eine nennenswerte Rolle auf der Weltbühne, aber selbst kombiniert erreichen beide nicht einmal die Wirtschaftsleistung Brasiliens – dem schwächsten der ursprünglichen BRIC-Staaten.

Bemerkenswert ist auch, wer nicht Mitglied wird: etwa aufstrebende und dynamisch-wachsende Wirtschaftsmächte wie Indonesien oder Südkorea. Das derartig erweiterte BRICS-Bündnis würde seinen Nimbus als Vereinigung der Wachstumshoffnungen endgültig verlieren.

Geopolitischer Gegenwind?

Damit ist die Erweiterung vor allem eines: Eine geopolitische Positionierung, die das Ziel hat, die anti-westliche Haltung weiter auszubauen. Mit Äthiopien, dem Iran und Russland werden drei Staaten Mitglieder der BRICS, die der Westen kritisch sieht und teils auch sanktioniert. Bemerkenswert ist, dass Brasilien und vor allem Indien diesem Kursschwenk zugestimmt haben. Bisher hatten sich beide nicht klar einem der beiden Lager zuordnen lassen. Dies ist umso erstaunlicher, da sie im Bündnis nun weniger Einfluss haben werden.

Fraglich ist, wie geschlossen das Bündnis auftreten wird. Zwischen China und Indien kommt es schon aktuell immer wieder zu Konflikten, etwa wegen Grenzstreitigkeiten. Mit Saudi-Arabien und dem Iran dürfte das Konfliktpotential weiter zunehmen.

Eine Gruppe mit solch heterogenen Interessen, wie die BRICS nach der Erweiterung wären, droht sich in der Bedeutungslosigkeit zu verlieren. Schon in den vergangenen Jahren war kaum mehr die Rede von dem Bündnis. Erst seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen China und den USA wurde dem BRICS-Bündnis wieder Leben eingehaucht. Ob der Westen somit mit heftigerem geopolitischem Gegenwind rechnen muss, wird davon abhängen, ob BRICS Plus es schafft, trotz der bestehenden Differenzen einheitlich aufzutreten.

Quelle und Vorschaubild: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. / Vorschaubild: Fotolia

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