Walzengießerei Coswig stellt nach 134 Jahren den Betrieb ein
von Hubert Hunscheidt
Die traditionsreiche Walzengießerei Coswig GmbH in Sachsen steht vor dem endgültigen Aus. Nach 134 Jahren Firmengeschichte wird die Produktion Ende November 2026 eingestellt. Trotz intensiver Bemühungen konnte für den insolventen Gießereibetrieb kein Investor gefunden werden. Die zuletzt rund 170 Beschäftigten haben ihre Kündigungen erhalten.
Das 1892 gegründete Unternehmen produziert unter dem Markennamen Coswig Guss unter anderem tonnenschwere Walzen für die Stahlindustrie sowie Gussteile für den Maschinenbau und die Windkraftindustrie.
Bereits im November 2025 hatte die Walzengießerei Insolvenz angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen noch rund 220 Mitarbeiter. Im Februar 2026 wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die Hoffnung, den traditionsreichen Produktionsstandort durch eine Sanierung oder den Einstieg eines Investors erhalten zu können, hat sich inzwischen zerschlagen.
Steigende Kosten und sinkende Auslastung
Als wesentliche Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten die rückläufige Auslastung des Werkes sowie deutlich gestiegene Material- und Energiekosten.
Nach Angaben des Sanierungsberaters Martin Lambrecht wurden im Zuge der Investorensuche rund 140 potenzielle Interessenten angesprochen. Zehn davon zeigten zunächst weitergehendes Interesse, letztlich kam jedoch keine Übernahme zustande. Ausschlaggebend waren demnach auch Zweifel an der wirtschaftlich tragfähigen Finanzierung der Produktion.
Beschäftigte verzichteten auf Gehaltsbestandteile
Die Belegschaft hatte zuvor versucht, durch finanzielle Zugeständnisse zur Rettung des Unternehmens beizutragen. Nach Angaben der IG Metall Dresden-Riesa verzichteten Beschäftigte unter anderem auf Urlaubsgeld, Leistungszulagen und Tariferhöhungen.
Gewerkschaftsgeschäftsführer Steven Kempe kritisierte gegenüber der Bild-Zeitung zudem Managementfehler der vergangenen Jahre. Die wirtschaftliche Krise habe sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.
Mit der Schließung verliert die Region einen traditionsreichen Industriebetrieb und zahlreiche qualifizierte Facharbeitsplätze. Um den betroffenen Beschäftigten neue berufliche Perspektiven zu eröffnen, plant die IG Metall für Ende Oktober eine Jobmesse.
Quelle: Bild / Foto: Coswig Guss