Von Stahl zur digitalen Fertigung

von Hubert Hunscheidt

Die GMH Gruppe stärkt ihre Position als industrieller Innovator mit der Gründung von ProMateria, einem Start-up, das sich auf die Herstellung von hochentwickelten Metallpulvern und additiver Fertigung spezialisiert hat. Das Unternehmen will Pionierarbeit bei der Verwendung von hochstickstofflegiertem Stahl in der Pulvermetallurgie und im seriellen 3D-Druck leisten und damit neue Möglichkeiten für Hochleistungskomponenten in der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik, der Luxusgüterindustrie, dem Maschinenbau und dem Energiesektor eröffnen.

Zukunftsgestaltung mit hochstickstofflegiertem Stahl

ProMateria verbindet Expertise und Innovationskraft der GMH Gruppe mit neuen Technologien. Im Fokus: der Einsatz hochstickstofflegierter Stähle (High Nitrogen Steel / HNS) in pulvermetallurgischen Verfahren sowie der additiven Fertigung. Durch maßgeschneiderte Lösungen und mit einem breiten Werkstoffportfolio bietet ProMateria eine neue Dimension industrieller Fertigungsfreiheit. „Der metallische 3-D-Druck ist reif für die Serienfertigung. Mit ProMateria kombinieren wir eigene Pulverproduktion, additive Fertigung und Finalbearbeitung für neue Potenziale in Bezug auf Leistung, Design und Nachhaltigkeit“, sagt Philip Stöhr, Kaufmännischer Geschäftsführer von ProMateria.

Investition in zielgerichtete Innovation

ProMateria wurde geboren aus dem Antrieb von Ingenieuren, um die Verarbeitungsgrenzen des Stahls im 21. Jahrhundert zu erweitern. ProMateria fungiert als strategischer Knotenpunkt mit einem starken Fokus auf Leistung und Nachhaltigkeit: High Nitrogen Steel kombiniert eine hohe Korrosionsbeständigkeit mit Härte, Festigkeit sowie Biokompatibilität und bietet damit sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile.

Das Start-up unterstützt auch die interne Nachfrage: ProMateria erweitert die Kapazitäten für die Ersatzteilproduktion innerhalb der GMH Gruppe und bedient die steigende Marktnachfrage im Bereich der additiven Fertigung von einbaufertigen Komponenten. „Wir investieren in einen schnell wachsenden Zukunftsmarkt. Unsere Stahlkompetenz trifft auf modernste Fertigungstechnologie. Das Ergebnis: neue Standards in Präzision, Designfreiheit und Nachhaltigkeit“, sagt Dr. Alexander Becker, CEO der GMH Gruppe.

Zwei Schwerpunkte – ein Ziel: Hochleistungsteile für anspruchsvolle Anwendungen

Metallpulverherstellung

ProMateria produziert Metallpulver aus hochstickstofflegiertem Stahl in einem einzigartigen, auf die Pulvermetallurgie zugeschnittenen Hochdurchsatzverfahren. Die Produktionsmengen reichen von 25 bis 10.000 Kilogramm und sind damit ideal für Prototypen- als auch  Serienfertigung einsetzbar. Variable Prozessparameter sorgen für eine optimale Ausbeute für den Einsatz in verschiedenen additiven Verfahren und die Qualitätskontrolle ist nach ISO 9001 zertifiziert. Die Materialbasis stammt von der GMH-Schwesterfirma Energietechnik Essen GmbH, weitere eisenbasierte Werkstoffe der GMH Gruppe sind ebenfalls auf Anfrage erhältlich.

Additive Serienfertigung

Mit dem MoldJet-Verfahren und selbst entwickelten Metallpasten ermöglicht ProMateria eine flexible Prototypen- bis hin zur Serienfertigung auf sechs Plattformen im Revolversystem, mit jeweils 375 x 210 x 110 mm (L × B × H). Selbst hochkomplexe Geometrien, Hinterschneidungen, feine Details oder Hohlstrukturen sind problemlos realisierbar. Die ISO 9001-Zertifizierung für diesen Bereich wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Die Materialauswahl reicht von hochstickstofflegiertem Stahl, Edelstahl, Werkzeugstahl, niedriglegierten Stählen, Hochtemperaturlegierungen, Titanlegierungen, über Keramik, Kupfer und mehr. Die Technologie unterstützt die Massenindividualisierung, Leichtbauweise und langlebige Komponenten – und kombiniert damit technische Leistungsfähigkeit mit Kosteneffizienz.

Anwendungsbeispiel – Metallpulver in medizinischer Qualität

Ein aktuelles Projekt in diesem Geschäftsbereich konzentriert sich auf hochstickstofflegiertes Metallpulver als nachhaltige Alternative zu Kobalt- und Nickel-basierten Legierungen in der Dental- und Medizintechnik. Kobalt birgt Gesundheitsrisiken wie Toxizität bei Abrieb oder Bruch. ProMateria verglich die Eigenschaften von Kobaltlegierungen mit Komponenten aus seinem selbst entwickelten Metallpulver P2000. Dieses Material ist technisch ebenbürtig, aber sicherer für Patienten und verursacht keine Nickelallergien.

Anwendungsbeispiel – Maßgeschneiderte Golfschläger

In Zusammenarbeit mit Make Golf entwickelt ProMateria maßgeschneiderte Golfschläger. Über eine App übermitteln Nutzer ihr Schwungprofil und biometrische Daten, die in optimierte Designs für Putter, Eisen oder Wedges umgewandelt werden. Der Prozess zeigt die Fähigkeit von ProMateria, massenpersonalisierte Metallteile mit präziser Geometrie und Leistungsoptimierung zu liefern.

Quelle und Foto: GMH Gruppe