Vom Produkt zur Geschichte: Was Fachmedien wirklich interessiert

von Hubert Hunscheidt

„Wir haben eigentlich nichts Neues.“

Diesen Satz hören Fachredaktionen häufiger, als man vermuten würde. Die neue Maschine kommt erst im nächsten Jahr, ein völlig neues Produkt gibt es gerade nicht und zur nächsten Messe ist es noch eine Weile hin. Also gibt es auch nichts für die Presse.

Wirklich nicht?

Unsere tägliche Arbeit bei marketsteel zeigt eher das Gegenteil. Gerade in der Stahl- und Metallbranche entstehen ständig Themen, über die sich zu berichten lohnt. Man muss nur manchmal ein wenig genauer hinsehen.

Natürlich ist eine Produktneuheit ein guter Anlass für Pressearbeit. Aber auch ein neuer Auftrag kann interessant sein. Ein Stahlhändler erweitert seine Anarbeitung. Ein Maschinenbauer liefert erstmals eine Anlage für eine ungewöhnliche Anwendung. Ein Unternehmen investiert in zusätzliche Lager- oder Produktionskapazitäten. Zwei Firmen entwickeln gemeinsam eine Lösung. Eine Software wird erstmals im laufenden Stahlbetrieb eingesetzt.

Alles mögliche Geschichten.

Die Maschine allein ist selten die ganze Geschichte

Nehmen wir die berühmte neue Maschine. Technische Daten gehören dazu. Leistung, Abmessungen, Bearbeitungsmöglichkeiten, Automatisierungsgrad – Fachleser wollen wissen, was eine Anlage kann.

Spannend wird es aber häufig erst mit der nächsten Frage: Warum wurde sie angeschafft?

Vielleicht konnte ein Bearbeitungsschritt bisher nicht im eigenen Haus ausgeführt werden. Vielleicht lassen sich jetzt größere Abmessungen bearbeiten. Vielleicht reagiert das Unternehmen auf kürzere Lieferzeiten, steigende Stückzahlen oder Anforderungen eines bestimmten Kundensegments.

Schon wird aus einer Maschinenmeldung eine Geschichte über eine unternehmerische Entscheidung.

Bei Investitionen ist es ähnlich. Die Höhe der Investition interessiert. Wichtiger ist jedoch, was danach anders ist. Mehr Kapazität? Ein neuer Standort? Automatisierte Abläufe? Weniger Energieverbrauch? Neue Produkte?

Das sind die Informationen, die einer Meldung Leben geben.

Aufträge erzählen häufig mehr als Produktbeschreibungen

Auch ein Auftrag kann ein gutes Thema sein. Vor allem dann, wenn er zeigt, wo eine Technologie eingesetzt wird.

Die Meldung „Unternehmen A liefert Anlage B an Unternehmen C“ ist zunächst eine Nachricht. Interessanter wird sie, wenn deutlich wird, warum sich der Kunde für diese Technik entschieden hat, welches Problem damit gelöst werden soll und welche Anforderungen die Anlage erfüllen muss.

Damit sind wir beim Anwenderbericht.

Für technische Unternehmen ist er eines der interessantesten Instrumente der Fachkommunikation. Denn hier muss ein Hersteller nicht selbst behaupten, dass seine Lösung funktioniert. Die Anwendung zeigt es.

Das kann eine neue Schneidanlage im Stahlservice-Center sein, eine Software für die Produktionsplanung, eine Schweißlösung im Anlagenbau oder ein neues Verfahren zur Oberflächenbearbeitung. Entscheidend ist, dass nicht nur das Produkt beschrieben wird, sondern sein Einsatz in der Praxis.

Manchmal sitzt die Geschichte am Schreibtisch nebenan

Und dann gibt es noch einen Fundus, der in vielen Unternehmen erstaunlich wenig genutzt wird: das Wissen der eigenen Mitarbeiter.

Wer seit 20 Jahren Stahl einkauft, Anlagen konstruiert, Rohre bearbeitet oder Produktionsprozesse optimiert, hat etwas zu erzählen. Daraus können Interviews, Hintergrundbeiträge oder Fachartikel entstehen.

Welche Anforderungen stellen Kunden heute an einen Stahlhändler? Warum verändern sich Werkstoffe? Wo stößt Automatisierung in der Praxis an Grenzen? Welche Fehler treten bei einer bestimmten Bearbeitung immer wieder auf? Was verändert KI tatsächlich in der Produktion – und was bislang eben nicht?

Für einen Fachbeitrag braucht es nicht zwingend eine Produktneuheit. Es braucht jemanden, der sein Thema kennt.

Das hat einen weiteren Vorteil: Ein Unternehmen erscheint nicht ausschließlich dann in der Öffentlichkeit, wenn es etwas verkaufen möchte. Es zeigt Kompetenz.

Nicht jede Geschichte muss eine Pressemitteilung sein

Deshalb lohnt es sich, bei der Presseplanung nicht nur in Pressemitteilungen zu denken.

Eine Personalie kann eine kurze News sein. Ein großer Auftrag vielleicht eine klassische Unternehmensmeldung. Ein ungewöhnliches Kundenprojekt eignet sich eher für einen Anwenderbericht. Mit dem Geschäftsführer lässt sich über die Entwicklung des Marktes sprechen. Und der Anwendungstechniker kann möglicherweise einen Fachbeitrag liefern, der für die Leser mehr Wert besitzt als die nächste Produktbroschüre.

Genau solche unterschiedlichen Themen sehen wir bei marketSTEEL täglich.

Und wir sehen auch, dass daraus mehr entstehen kann als die Veröffentlichung auf einer Fachplattform und im Newsletter. Gut aufbereitete Fachinformationen bleiben im Netz auffindbar. Sie liefern Suchmaschinen konkrete Informationen über Unternehmen und deren Kompetenz. Und sie können zunehmend auch für KI-gestützte Recherchen interessant werden.

Damit verändert sich der Wert eines guten Fachbeitrags. Er wird veröffentlicht – aber er ist danach nicht einfach weg.

Also: Was gibt es bei Ihnen Neues?

Vielleicht tatsächlich gerade kein neues Produkt.

Dann lohnt eine andere Frage: Was hat sich im Unternehmen in den vergangenen Monaten verändert? Welche Probleme beschäftigen die Kunden? Welche Investition steht an? Welches Projekt war ungewöhnlich? Was weiß der eigene Anwendungstechniker, was für andere in der Branche interessant sein könnte?

Und über welches Thema könnte der Geschäftsführer eine halbe Stunde erzählen, ohne dafür eine Präsentation zu brauchen?

Meist findet sich spätestens dann eine Geschichte.

Man muss sie nur nicht immer im Produktkatalog suchen.

Herzlichst Ihr

marketSTEEL-Redaktionsteam

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