Vollautomatisierte Messanlage für gezogene Edelstahlrohre in der Medizintechnik
von Hubert Hunscheidt
Schoeller Werk GmbH & Co. KG hat eine vollautomatisierte Messanlage zur 100%-Prüfung von Kapillarrohren entwickelt – maßgeschneidert für den Einsatz in der Medizintechnik. Auslöser war ein Kundenauftrag aus dem Bereich Asthma-Inhalatoren, für den keine geeignete Prüflösung am Markt existierte. Schoeller entwickelte das System daraufhin vollständig aus eigener Hand.
Als europäischer Marktführer für gezogene Edelstahlrohre beliefert Schoeller anspruchsvolle Industrien, in denen engste Toleranzen und höchste Oberflächengüte keine Option, sondern Voraussetzung sind. Die Medizintechnik gehört zu den anspruchsvollsten dieser Märkte – und stellt damit besondere Anforderungen nicht nur an das Produkt, sondern auch an die Qualitätssicherung.
Kapillarrohre übernehmen im Inneren von Asthma-Inhalatoren eine kritische Funktion: Als Steigleitung transportieren sie das Medikament zuverlässig von der Kartusche zur Zerstäubungsdüse. Bereits kleinste Abweichungen bei Spanfreiheit, Geradheit oder Schnittqualität können die Funktionalität des Endprodukts beeinträchtigen. Der Kunde forderte daher eine 100%-Prüfung aller relevanten Spezifikationen – Geometrie, Oberfläche und Spanfreiheit – in einem einzigen, hocheffizienten Prozess.
Marktanalysen ergaben: Eine Anlage, die sämtliche Prüfanforderungen bündelt, existierte nicht. Schoellers Anlagentechnik entwickelte daraufhin in abteilungsübergreifender Zusammenarbeit eine komplett neuartige Lösung. Das System prüft in vier vollautomatisierten Stufen – Außendurchmesser, Geradheit und Länge, Spanfreiheit sowie Oberfläche und Schnittenden – bei einer Taktzeit von 0,5 Sekunden pro Rohr. Fehlerhafte Teile werden automatisch erkannt und ausgeschleust. Trotz ihrer Leistungsfähigkeit ist die Anlage kompakt genug, um in bestehende Produktionslinien integriert zu werden.
Das Ergebnis: Seit Inbetriebnahme konnten Reklamationen beim Kunden vollständig vermieden werden. Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Marktpotenziale – erste Anfragen für weitere Abmessungen aus dem Bereich Medizintechnik liegen bereits vor.
„Dieses Projekt zeigt, wie wir technische Herausforderungen angehen: Wenn der Markt keine passende Lösung bietet, entwickeln wir sie selbst", sagt Michael Gottschalk, CTO der Schoeller Werk GmbH & Co. KG. „Die Anlage ist nicht nur eine Antwort auf einen konkreten Kundenbedarf – sie stärkt unsere Position als Entwicklungspartner für anspruchsvolle Anwendungen in der Medizintechnik nachhaltig."
Mit der Eigenentwicklung unterstreicht Schoeller seinen Anspruch, Kunden nicht nur als Rohrhersteller, sondern als ganzheitlicher Lösungspartner zur Seite zu stehen – von der Produktentwicklung bis zur Qualitätssicherung.
Quelle und Foto: Schoeller Werk GmbH & Co. KG