Van Poelvoorde übernimmt EUROFER-Präsidentschaft

von Hubert Hunscheidt

Geert Van Poelvoorde ist neuer Präsident des europäischen Stahlverbands EUROFER. Der Vorsitzende des Board of ArcelorMittal Europe Steel hat das Amt zum 1. Oktober 2026 übernommen. Er folgt auf Henrik Adam, der künftig als Generaldirektor des Weltstahlverbands World Steel Association tätig ist.

Van Poelvoorde übernimmt die Führung des Verbands in einer für Europas Stahlindustrie schwierigen Phase. Nach aktuellen EUROFER-Zahlen gingen die EU-Stahlexporte in Drittländer im ersten Halbjahr 2026 um 20 Prozent zurück. Bereits 2025 war die Stahlproduktion in der EU mit 125,8 Millionen Tonnen auf einen historischen Tiefstand gefallen. In den ersten fünf Monaten 2026 sank sie nochmals um ein Prozent.

Stärkere Nachfrage nach Stahl „Made in Europe“

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt Van Poelvoorde die Stärkung des europäischen Heimatmarktes entlang der gesamten Stahl-Wertschöpfungskette. Gleichzeitig müsse der Zugang zu internationalen Absatzmärkten gesichert werden. Eine starke industrielle Basis sei Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie Europas.

Positiv bewertet der neue EUROFER-Präsident die seit 1. Juli geltende neue EU-Handelsmaßnahme für Stahl. Nach Schätzung des Verbands könnte sie die Voraussetzungen dafür schaffen, jährlich rund 15 Millionen Tonnen Stahlproduktion nach Europa zurückzuholen. Erste Wiederanläufe von Kapazitäten seien trotz weiterhin schwacher Nachfrage bereits zu beobachten.

Energiepreise und ETS im Fokus

Handlungsbedarf sieht Van Poelvoorde auch bei den Rahmenbedingungen für die Transformation der europäischen Stahlindustrie. Für weitere Investitionen in eine klimaneutrale Produktion müsse der EU-Emissionshandel so angepasst werden, dass tragfähige Geschäftsmodelle entstehen können. Hinzu kämen wettbewerbsfähige Energiekosten und eine stärkere Nachfrage nach in Europa hergestellten Produkten.

Dabei dürfe sich die Branche nicht allein auf den europäischen Binnenmarkt verlassen. Van Poelvoorde fordert bessere Voraussetzungen, damit europäischer und insbesondere CO₂-armer Stahl auch international wettbewerbsfähig bleibt. Beim anstehenden Review des Emissionshandelssystems müsse deshalb eine dauerhafte Lösung für Exporte gefunden werden. Zudem spricht sich EUROFER dafür aus, die schrittweise Abschaffung der kostenlosen ETS-Zuteilungen in den kommenden Jahren deutlich zu verlangsamen, solange vergleichbare Rahmenbedingungen nicht in allen stahlproduzierenden Regionen bestehen.

Neben Van Poelvoorde wurde Peter Bernscher von Tata Steel Nederland zum Vizepräsidenten von EUROFER gewählt. Auch seine Amtszeit begann am 1. Oktober.