US-Zölle und geopolitische Spannungen prägen weiterhin den globalen Stahlhandel
von Hubert Hunscheidt
Die internationalen Stahlmärkte bleiben weiterhin stark von Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und neuen Zollmaßnahmen geprägt. Nach Einschätzung des Analysehauses MEPS stehen insbesondere die Handelsgespräche zwischen den USA und China sowie die laufenden Verhandlungen über das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA im Mittelpunkt der Marktentwicklung.
Für neue Impulse sorgten zuletzt Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping in Peking. In China führte dies nach den Feiertagen Anfang Mai zu einer steigenden Stahlbeschaffung und höheren Preisen. Laut MEPS stieg der Preis für Warmband innerhalb eines Monats um 6,4 Prozent, während Betonstahl um 4,7 Prozent zulegte.
Ungeachtet möglicher Fortschritte in den Gesprächen bleiben die US-Importzölle auf Stahl jedoch bestehen. Die 50-prozentigen Section-232-Zölle auf Stahlimporte sollen von möglichen Handelsvereinbarungen unberührt bleiben. Auch die 100-prozentigen US-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge gelten weiterhin als zentraler Belastungsfaktor für den Handel.
Zusätzliche Handelsbarrieren könnten durch laufende Untersuchungen der US-Regierung im Rahmen von Section 301 entstehen. Diese richten sich gegen aus Sicht Washingtons wettbewerbsverzerrende Handelspraktiken und betreffen Importe aus rund 60 Ländern.
Gleichzeitig belasten steigende Energie-, Rohstoff- und Transportkosten die Stahlindustrie weltweit. Besonders in Europa und Asien verweisen Stahlhersteller laut MEPS trotz schwacher Nachfrage auf deutlich gestiegene Produktionskosten. Hintergrund sind unter anderem die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Energie- und Logistikmärkte.
Auch in Nordamerika bleibt die Lage angespannt. Kanada und Mexiko leiden weiterhin unter den US-Importzöllen. Die Stahleinfuhren aus Kanada in die USA gingen im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich um rund 62 Prozent zurück, Importe aus Mexiko sogar um mehr als 76 Prozent.
Kanada reagierte bereits mit neuen Zollkontingenten und Strafzöllen oberhalb festgelegter Importmengen. Mexiko führte Anfang des Jahres zusätzliche Stahlzölle von 35 Prozent auf Importe aus Ländern ohne Freihandelsabkommen ein.
Die weitere Entwicklung des globalen Stahlhandels dürfte damit auch in den kommenden Monaten stark von geopolitischen Entscheidungen, Handelsschutzmaßnahmen und der Entwicklung der Energiepreise abhängen.
Quelle: MEPS International Ltd. / Foto: marketSTEEL