thyssenkrupp und Jindal setzen Gespräche aus

von Hubert Hunscheidt

Die thyssenkrupp AG und Jindal Steel International haben ihre Gespräche über eine mögliche Beteiligung am Stahlgeschäft vorerst ausgesetzt. Hintergrund sind veränderte Rahmenbedingungen sowie Fortschritte bei der Neuausrichtung von thyssenkrupp Steel Europe, die aus Sicht des Konzerns neue Perspektiven eröffnen.

Nach Unternehmensangaben haben sich die ursprünglichen Annahmen für eine Teilveräußerung in den vergangenen Monaten deutlich verschoben. Insbesondere der abgeschlossene Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall sowie die Einigung zur Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) stärken die Ausgangslage des Stahlsegments.

Zudem bewertet thyssenkrupp das regulatorische Umfeld in Europa inzwischen als günstiger. Geplante Maßnahmen wie strengere Importkontingente, verschärfte Handelsschutzinstrumente, der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) sowie ein europäischer Aktionsplan für die Stahlindustrie sollen die Wettbewerbsbedingungen stabilisieren und die Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion unterstützen.

Vor diesem Hintergrund sieht der Konzern ein deutliches Wertsteigerungspotenzial für thyssenkrupp Steel. Vorstandschef Miguel López betonte, dass sich die Voraussetzungen für eine profitable Weiterentwicklung „so gut wie lange nicht mehr“ darstellten. Jindal sei während der Gespräche ein konstruktiver Partner gewesen, die Entscheidung zur Pause sei jedoch gemeinsam getroffen worden.

Ungeachtet dessen hält thyssenkrupp an der strategischen Neuaufstellung fest. Ziel bleibt eine Verselbstständigung des Stahlgeschäfts mit perspektivischer Öffnung für Investoren. Im Rahmen der Konzernstrategie „ACES 2030“ soll sich thyssenkrupp insgesamt stärker zu einer Finanzholding entwickeln, während die einzelnen Segmente eigenständiger am Markt agieren.

Die Gespräche mit Jindal sind damit nicht beendet, sondern lediglich ausgesetzt. Entscheidend wird nun sein, wie konsequent thyssenkrupp die eingeleiteten Restrukturierungs- und Transformationsmaßnahmen weiter umsetzt – und ob sich die verbesserten politischen Rahmenbedingungen tatsächlich in nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit übersetzen lassen.

Quelle und Foto: Thyssenkrupp AG