Thyssenkrupp Steel nimmt modernisierte Stranggießanlage in Duisburg ab

von Hubert Hunscheidt

Thyssenkrupp Steel hat die modernisierte Stranggießanlage Nr. 4 am Standort Duisburg endgültig abgenommen. Primetals Technologies hatte die zweisträngige Anlage umfassend erneuert. Mit dem Abschluss des Projekts will Thyssenkrupp Steel sein Produktportfolio stärker auf hochwertige und margenstarke Stahlsorten ausrichten.

Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht die Anlage deutliche Verbesserungen bei der Brammenqualität. Damit können unter anderem anspruchsvolle Mehrphasenstähle, hochfeste Stähle sowie Werkstoffe für Anwendungen in der E-Mobilität hergestellt werden. Dazu gehören auch siliziumhaltige Elektrobandgüten für Elektromotoren und Generatoren sowie hochfeste Stähle für die Automobilindustrie.

Mehr Flexibilität und Energieeffizienz

Im Zuge des Projekts wurde die zuvor gekoppelte Gieß-Walz-Linie in zwei separate Einheiten aufgeteilt: die modernisierte Stranggießanlage und das ebenfalls modernisierte Warmbandwerk. Durch die Entkopplung sollen die Auslastung der vorgelagerten Stahlproduktion verbessert und gleichzeitig Flexibilität und Prozesseffizienz erhöht werden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Möglichkeit, Brammen mit einem geeigneten Temperaturprofil direkt weiterzuverarbeiten. Moderne Kühl- und Automatisierungssysteme ermöglichen es, die Sekundärkühlung in bestimmten Anlagenbereichen deutlich zu reduzieren oder vollständig abzuschalten. Dadurch können Brammen für das direkte Walzen auf Temperatur gehalten und Energie für eine erneute Erwärmung eingespart werden.

Dies ist insbesondere bei anspruchsvollen hochfesten und hochsiliziumhaltigen Stählen von Bedeutung, die bei ungünstigen Temperaturbedingungen zur Rissbildung neigen.

Modernisierung bei laufender Produktion

Die Umsetzung erfolgte unter engen zeitlichen Vorgaben und mit möglichst geringen Beeinträchtigungen der laufenden Produktion. In Spitzenzeiten waren laut Primetals Technologies bis zu 1.000 Beschäftigte gleichzeitig auf der Baustelle tätig. Wichtige Komponenten wurden vor der Installation vormontiert und getestet, während vorhandene Anlagenteile in das neue System integriert wurden.

Zur technischen Ausstattung der Stranggießanlage gehören unter anderem Systeme zur flexiblen Einstellung der Brammenbreite, zur Verbesserung der Strangoberfläche sowie eine automatisierte Prozess- und Kühlsteuerung. Neben einer höheren Produktqualität sollen die Neuerungen auch den Wartungsaufwand und die Betriebskosten reduzieren.

Quelle und Foto: Primetals Technologies Austria GmbH