Tata Steel verschiebt Weichenstellung für CO₂-arme Stahlproduktion in IJmuiden

von Hubert Hunscheidt

Tata Steel Nederland und die niederländische Regierung benötigen mehr Zeit für die Vorbereitung der geplanten Transformation des Stahlstandorts IJmuiden. Gemeinsam mit der Provinz Nordholland haben die Beteiligten den bestehenden gemeinsamen Absichtsbrief (Joint Letter of Intent, JLoI) um fünf Monate bis zum 1. März 2027 verlängert. Ziel bleibt eine nachhaltigere und CO₂-ärmere Stahlproduktion am Standort.

Der ursprünglich im September 2025 unterzeichnete JLoI bildet die Grundlage für Verhandlungen über eine maßgeschneiderte Vereinbarung zwischen Tata Steel und dem niederländischen Staat. Die Verlängerung soll nun zusätzliche Zeit schaffen, um offene technische, regulatorische und wirtschaftliche Fragen zu klären, bevor eine endgültige Investitionsentscheidung getroffen und der weitere Zeitplan festgelegt wird.

Stilllegung der Koks- und Gasanlagen wird vorbereitet

Ein wesentlicher Bestandteil des Green-Steel-Projekts ist die Umstellung der bisherigen Produktionsroute. Tata Steel Nederland untersucht derzeit Möglichkeiten für eine sichere und kontrollierte Stilllegung seiner beiden Koks- und Gasanlagen. Dabei arbeitet das Unternehmen mit der Provinz Nordholland und der zuständigen Umweltbehörde zusammen.

Parallel dazu muss eine langfristige Lösung für die beim Stahlherstellungsprozess anfallende Stahlschlacke gefunden werden. Tata Steel verweist auf zunehmend komplexe niederländische Vorschriften für Produktion, Lagerung und Transport. Regulatorische Klarheit sei notwendig, bevor langfristige Investitionsentscheidungen getroffen werden könnten.

Energie- und CO₂-Kosten beeinflussen Investitionsentscheidung

Zu den noch offenen Punkten gehören auch die Netzentgelte sowie veränderte regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt nach Angaben des Unternehmens die jüngste Anpassung des Zeitplans für das Auslaufen kostenloser CO₂-Zertifikate in der EU.

Gleichzeitig nähert sich die grundlegende Engineering-Phase des Green-Steel-Projekts ihrem Abschluss. Tata Steel Nederland überprüft vor diesem Hintergrund die Priorisierung der Investitionen und die weitere Umsetzung des Vorhabens.

Die Transformation von IJmuiden soll dabei nicht allein die CO₂-Emissionen der Stahlerzeugung senken. Bestandteil der Vereinbarungen sind auch Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt- und Gesundheitsbedingungen rund um den Standort.

Genehmigungsverfahren laufen weiter

Trotz der Verlängerung der Verhandlungsphase werden einzelne Maßnahmen fortgeführt. Tata Steel hat unter anderem Genehmigungsverfahren für eine Windschutzbarriere, Abdeckungen sowie Anlagen des Green-Steel-Projekts eingeleitet.

Am grundsätzlichen Ziel halten Tata Steel und die niederländischen Partner fest. Die zusätzlichen fünf Monate sollen nun genutzt werden, um einen wirtschaftlich und technisch tragfähigen Rahmen für die Transformation des integrierten Stahlwerks in IJmuiden zu schaffen.

Quelle und Foto: Tata Steel Nederland