Süddeutschland drohen höhere Strompreise

von Hubert Hunscheidt

Ohne weiteren Ausbau der Stromnetze drohen höhere Strompreise in Süddeutschland. Die Preisdifferenz zwischen Nord- und Süddeutschland kann bei 5,7% liegen und die Produktion von energieintensiven Unternehmen in Bayern verteuern. Dies zeigt eine neue ifo-Studie für die IHK für München und Oberbayern.
 
„Langfristig wäre es günstig, die Stromtrassen SuedLink und SuedOstLink zu bauen“, sagt Johann Wackerbauer, Autor der Studie. „Damit könnte mehr Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern gebracht werden.“
 
Nach der Stilllegung der Kernkraftwerke kann der steigende Strombedarf zunächst durch Stromimporte, den Ausbau der dezentralen Stromerzeugung und netzstabilisierende Maßnahmen gedeckt werden, was hohe laufende Kosten verursacht. Bei einem Verzicht oder einer Verzögerung des Ausbaus der Stromtrassen SuedLink und SuedOstLink entstünde bis 2025 eine Kapazitätslücke, die dauerhaft durch Stromimporte und verstärkte dezentrale Stromversorgung geschlossen werden muss. Um Gaskraftwerke rentabel betreiben zu können, wäre jedoch ein deutlich höherer CO2-Preis erforderlich. Bestehende Biogasanlagen könnten durch eine bessere Flexibilisierung dazu beitragen, die Stromversorgung zu sichern. Solarstrom und Windenergie wären nur bei einem erheblichen Zubau von Stromspeichern ausbaufähig.
 
Wenn sich ohne den Bau der beiden Stromtrassen zwei Preiszonen in Deutschland bilden, würden die Strompreise nach Modellrechnungen in Süddeutschland stärker steigen als in Norddeutschland: Die Preisdifferenz liegt im Jahr 2025 bei 2 Euro/MWh bzw. 2,7%, und steigt bis zum Jahr 2050 auf 5 Euro/MWh bzw. 5,7%. Die für den stabilen Netzbetrieb notwendige gesicherte Leistung müsste in Süddeutschland deutlich ausgebaut werden.
 
Die Studie nennt folgende energiepolitische Handlungsoptionen um die dezentrale Energieversorgung zu stärken: Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, Abschaffung der 10-H-Regel für Windkraftanlagen, Verbesserung der Rahmenbedingungen für Biogasanlagen, Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung sowie verstärkte Forschungsförderung für neue Speichertechnologien.
 
Quelle: ifo Institut / Vorschaufoto: marketSTEEL

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