Studie vergleicht Standards für CO₂-armen Stahl in Europa und China

von Hubert Hunscheidt

Standards für CO₂-armen Stahl werden nach Einschätzung des Wuppertal Instituts zu einem entscheidenden Baustein für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie. Sie schaffen die Grundlage für Investitionssicherheit, erleichtern die Nachfrage nach klimafreundlich erzeugtem Stahl und unterstützen den Aufbau neuer Leitmärkte.

In dem Policy Brief „Green Steel, Shared Rules?“ vergleichen Forschende des Wuppertal Instituts den europäischen Low Emission Steel Standard (LESS) mit dem chinesischen „C2F Steel“-Standard.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass beide Standards technisch weitgehend vergleichbar sind. Sowohl der europäische als auch der chinesische Ansatz fördern den Übergang zu einer emissionsarmen Primärstahlproduktion sowie zu einer schrottbasierten Stahlerzeugung unter Einsatz erneuerbarer Energien. Beide Systeme berücksichtigen neben der Emissionsintensität auch den Schrottanteil bei der Stahlproduktion.

Unterschiede bestehen jedoch bei den Systemgrenzen und der konkreten Methodik. Nach Einschätzung der Autoren ist deshalb eine vollständige gegenseitige Anerkennung der Standards kurzfristig wenig realistisch.

Stattdessen empfehlen die Forschenden sogenannte Mapping- und Konvertierungstools. Diese sollen Unternehmen, Kunden und politischen Entscheidungsträgern ermöglichen, Produkte nach beiden Standards vergleichbar zu bewerten. Eine solche Kompatibilität könne das Vertrauen in CO₂-arme Stahlprodukte stärken und die Entwicklung internationaler Leitmärkte unterstützen.

Nach Ansicht des Wuppertal Instituts bleibt die internationale Harmonisierung von Standards für klimafreundlichen Stahl eine anspruchsvolle politische Aufgabe. Sie sei jedoch ein wichtiger Schritt, um Investitionen in Milliardenhöhe in die Dekarbonisierung der Stahlindustrie langfristig abzusichern.

Quelle: Wuppertal Institut / Foto: marketSTEEL