Strasse von Hormus: Ein Konflikt mit gefährlicher Signalwirkung
von Hubert Hunscheidt
Seit Ende Februar – also seit fast einem halben Jahr – ist eine sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht mehr gewährleistet. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung hat sich bislang nicht erfüllt. Stattdessen bleibt die Straße von Hormus ein geopolitischer Konfliktraum – mit der zivilen Handelsschifffahrt mittendrin.
Zu Beginn des Konflikts saßen rund 50 Schiffe mit etwa 1.000 Seeleuten in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management im Persischen Golf fest. Seit Beginn des Konflikts konnte über die Hälfte der ursprünglich betroffenen Schiffe die Region unter hohem Sicherheitsaufwand und in enger Abstimmung mit den Marinen vor Ort sicher verlassen. Aktuell befinden sich noch rund 20 Schiffe mit etwa 400 Seeleuten mit deutschem Bezug in der Region. Die Lage bleibt hochdynamisch und verändert sich fortlaufend.
„Eines muss allen klar sein: Schiffe mit ihren Besatzungen aus dem Gefahrengebiet in Sicherheit zu bringen, ist ein erster wichtiger Schritt. Aber früher oder später müssen sie auch wieder sicher zurückkehren können, um dringend benötigte Rohstoffe und Güter zu transportieren. Welthandel ist keine Einbahnstraße, nur wenn die Straße von Hormus in beiden Richtungen dauerhaft sicher befahrbar ist, bleiben die Lieferketten funktionsfähig“, sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR).
Freie Schifffahrt ist weder Selbstzweck noch verhandelbar. Über den Seeweg werden Energie, Rohstoffe, Lebensmittel, Medikamente und industrielle Vorprodukte transportiert: Güter, auf die Menschen und Unternehmen weltweit täglich angewiesen sind. Jede Störung trifft Lieferketten, bringt die Versorgung ins Stocken und verteuert das tägliche Leben, auch in Deutschland.
Der VDR beobachtet mit Sorge, dass die sicherheitspolitischen Risiken für die internationale Handelsschifffahrt auf mehreren strategischen Seewegen gleichzeitig zunehmen. Angriffe im Roten Meer, der Krieg im Schwarzen Meer, Spannungen in der Taiwanstraße und im Südchinesischen Meer sowie hybride Bedrohungen in Nord- und Ostsee zeigen, dass die Freiheit der Schifffahrt weltweit zunehmend unter Druck gerät. Sollte es zur Normalität werden, den Seehandel als geopolitisches Druckmittel zu nutzen, hätte das weitreichende Folgen.
„Heute ist es die Straße von Hormus, morgen möglicherweise die Straße von Malakka, die Taiwanstraße oder eine andere strategisch wichtige Meerenge. Internationale Seewege dürfen nicht zum Spielball geopolitischer Machtpolitik werden. Eine freie und sichere Schifffahrt ist die Grundlage für den Welthandel und damit auch unserer Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa“, so Kröger.
Der VDR fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, alles daranzusetzen, die Freiheit der Schifffahrt dauerhaft wiederherzustellen und Handelsschiffe sowie ihre Besatzungen wirksam zu schützen. Die freie Passage durch internationale Meerengen ist ein Grundprinzip des internationalen Seerechts. Dieses Prinzip darf weder militärisch noch wirtschaftlich ausgehöhlt werden. Gerade für Deutschland als Export- und Importnation ist der Schutz freier und sicherer Seewege von besonderer strategischer Bedeutung.
Über den Verband Deutscher Reeder
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) vertritt die gemeinsamen wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien auf der Ebene des Bundes und der Länder sowie gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Der VDR wurde 1907 gegründet und hat sich 1994 mit dem Verband der Deutschen Küstenschiffseigner zusammengeschlossen. Mit rund 200 Mitgliedern vertritt der VDR den größten Teil der deutschen Handelsflotte.
Quelle: Verband Deutscher Reeder (VDR) / Foto: Fotolia