„Steel Industry Now“: Forderungen der Branche exklusiv im marketSTEEL-Videointerview
von Hubert Hunscheidt
Auf der Tube 2026 in Düsseldorf hat der europäische Stahlverband EUROMETAL gemeinsam mit Vertretern der Industrie eine umfassende Initiative zum Schutz der europäischen Stahlwertschöpfung vorgestellt. Mehr als 300 Unternehmen sowie rund 30 nationale Verbände unterstützen bereits den Aufruf, der sich an die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission richtet.
Gesa Gröning exklusiv im marketSTEEL-Videointerview mit Alexander Julius, Präsident von EUROMETAL.
Im Zentrum der Initiative steht die Forderung nach entschlossenen politischen Maßnahmen, um die zunehmenden Risiken für die industrielle Basis in Europa zu begrenzen. Hintergrund sind steigende Kosten, wachsender internationaler Wettbewerbsdruck sowie strukturelle Schwächen in der aktuellen Regulierung.
Druck auf die gesamte Wertschöpfungskette wächst
Alexander Julius, Präsident von EUROMETAL, warnte auf der Pressekonferenz vor einem schleichenden Verlust industrieller Kernkompetenzen in Europa. Die Branche stehe unter massivem Druck durch hohe Energiepreise, unfaire Handelspraktiken und eine aus Sicht der Industrie unzureichende Absicherung gegen Carbon Leakage.
Besonders betroffen seien mittelständische Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produzenten über Händler bis hin zu Verarbeitern. Bereits heute seien steigende Insolvenzzahlen sowie ein Rückgang industrieller Aktivitäten zu beobachten.
Gefahr für Beschäftigung und industrielle Basis
Die Stahl- und Metallindustrie beschäftigt in Europa direkt und indirekt mehrere Millionen Menschen. Laut EUROMETAL sind zunehmend Arbeitsplätze gefährdet, da sich Produktionsverlagerungen und Importdruck verstärken.
Die Initiative warnt vor einem Dominoeffekt: Wird ein Teil der Wertschöpfungskette geschwächt, geraten auch nachgelagerte Industrien unter Druck. Der Schutz einzelner Produktionsstufen reiche daher nicht aus – erforderlich sei ein ganzheitlicher Ansatz für die gesamte industrielle Kette.
Wettbewerbsverzerrungen verschärfen die Lage
Industrievertreter verwiesen auf deutliche Wettbewerbsnachteile gegenüber internationalen Anbietern, insbesondere aus Asien. Hohe Energie- und Produktionskosten in Europa treffen auf Märkte, in denen Produkte unter deutlich günstigeren Bedingungen hergestellt und zunehmend nach Europa exportiert werden.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass bestehende Schutzmechanismen häufig nur Teile der Wertschöpfungskette abdecken, während andere Bereiche – etwa weiterverarbeitete Produkte oder Komponenten – weiterhin ungeschützt bleiben.
Forderung nach umfassendem industriepolitischem Ansatz
Die Unterzeichner der Initiative fordern daher Maßnahmen, die die gesamte industrielle Wertschöpfung in Europa berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem wirksamer Schutz vor unfairen Importen, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie eine bessere Abstimmung von Klimapolitik und Industriepolitik.
Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu sichern und gleichzeitig die Transformation hin zu nachhaltigeren Produktionsprozessen zu ermöglichen.
Breite Unterstützung aus der Branche
Die Initiative „Steel Industry Now“ wird von Unternehmen aus der gesamten Stahlwertschöpfungskette getragen und soll in den kommenden Wochen weiter an Unterstützung gewinnen. Unternehmen sind aufgerufen, sich der Initiative anzuschließen und die Forderungen aktiv zu unterstützen.
Mit dem gemeinsamen Auftritt auf der Tube 2026 setzt die Branche ein deutliches Signal: Ohne schnelle und koordinierte Maßnahmen droht ein nachhaltiger Verlust industrieller Substanz in Europa.
Ausführliche Informationen zur Initiative und zur Unterzeichnung der Erklärung geht es hier.
Quelle und Fotos: marketSTEEL
