Die europäische Stahlindustrie fordert Nachbesserungen am Entwurf des Industrial Accelerator Act der Europäischen Kommission. Nach Einschätzung des Branchenverbands EUROFER besteht die Gefahr, dass öffentliche Fördermittel für CO₂-armen Stahl künftig auch an Produzenten außerhalb der Europäischen Union fließen, sofern keine verbindlichen „Made in Europe“-Kriterien verankert werden.
Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass mindestens 25 Prozent des in öffentlichen Beschaffungsprogrammen und Förderinstrumenten eingesetzten Stahls CO₂-arm sein müssen. Eine verbindliche Vorgabe, dass dieser Stahl auch in Europa produziert werden muss, enthält der Vorschlag jedoch nicht.
EUROFER begrüßt grundsätzlich das Ziel, durch die Schaffung von Leitmärkten die Nachfrage nach CO₂-armem Stahl zu stärken und Investitionen in Dekarbonisierungstechnologien zu ermöglichen. Zugleich betont der Verband, dass Stahl als strategischer Sektor anerkannt werden müsse – insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und der Notwendigkeit, industrielle Wertschöpfung in Europa zu sichern.
Aus Sicht der Industrie sollte nur Stahl förderfähig sein, der in der EU geschmolzen und gegossen wurde. Auch Länder des Europäischen Wirtschaftsraums wie Island, Liechtenstein und Norwegen könnten aufgrund ihrer engen Marktintegration einbezogen werden. Ohne klare und ambitionierte Herkunftsregeln bestehe das Risiko, dass europäische Fördermittel letztlich die grüne Stahlproduktion im Ausland unterstützen, statt die eigene industrielle Basis zu stärken.
Die Dekarbonisierung der europäischen Stahlproduktion erfordert nach Angaben von EUROFER Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe. Gleichzeitig belasten anhaltend hohe Strompreise die Wirtschaftlichkeit neuer CO₂-armer Technologien. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und eine klare Bevorzugung europäischer Produktion könnten Investitionsentscheidungen verzögert oder in andere Regionen verlagert werden.
EUROFER fordert daher eine präzise und durchsetzbare Definition von „Made in Europe“ für den Stahlsektor, die Kombination von CO₂-Kriterien und Herkunftsvorgaben im Industrial Accelerator Act sowie die ausdrückliche Anerkennung der Stahlindustrie als strategischen Sektor für Europas industrielle Zukunft.