Stahlhersteller sichern Lieferketten gegen Niedrigwasser ab

von Hubert Hunscheidt

Die anhaltende Trockenheit und die niedrigen Pegelstände auf Rhein und Donau zwingen europäische Stahlhersteller zu einer Anpassung ihrer Logistik. Während ArcelorMittal bereits vereinzelt die Produktion am Standort Duisburg reduzieren musste, setzt Tata Steel Nederland verstärkt auf den Schienentransport, um Lieferketten abzusichern.

Nach Angaben von ArcelorMittal erschweren die niedrigen Wasserstände auf deutschen Binnenwasserstraßen den Materialtransport. Das Unternehmen beobachtet die Entwicklung kontinuierlich und arbeitet eng mit Logistikpartnern sowie Behörden zusammen. Durch die Nutzung alternativer Transportwege und eine flexible Steuerung der Lieferketten könne die Versorgung der Werke und Kunden derzeit weitgehend sichergestellt werden. Dennoch führten die Einschränkungen auf dem Rhein bereits zu einzelnen Produktionsanpassungen im Duisburger Werk, das auf Knüppel-, Stabstahl- und Walzdrahtproduktion spezialisiert ist.

Auch Tata Steel Nederland spürt die Auswirkungen der Trockenheit bislang nur begrenzt. Das Unternehmen, das 2025 rund 6,7 Millionen Tonnen Stahl produzierte, hat seine Transportlogistik in den vergangenen Jahren gezielt widerstandsfähiger gemacht. Neben den bestehenden Wasserwegen wurden alternative Bahnverbindungen aufgebaut, insbesondere für Lieferungen nach Mittel- und Osteuropa. Transporte über die Donau wurden vorerst eingestellt und auf die Schiene verlagert.

Nach Unternehmensangaben könnten die anhaltend niedrigen Wasserstände jedoch mittelfristig auch die Transportabläufe von Tata Steel beeinträchtigen. Die Stahlproduktion selbst sei derzeit nicht betroffen. Sollte die Trockenheit jedoch weiter anhalten, könnte sich künftig auch die Versorgung mit Frischwasser verschärfen, das in mehreren Produktionsprozessen zur Kühlung benötigt wird.

Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich bereits in den Transportkosten. Nach Angaben eines deutschen Stahl-Servicecenters haben sich die Frachtraten infolge der Niedrigwasserlage teilweise vervierfacht, da Transporte zunehmend auf Lkw verlagert werden müssen.

Bereits Mitte Juli hatte auch thyssenkrupp Steel auf die angespannte Situation reagiert. Wegen der eingeschränkten Schiffbarkeit des Rheins stellte das Unternehmen seine Schubleichterflotte außer Betrieb und setzt seitdem auf gecharterte Flachgangschiffe sowie weitere Logistikmaßnahmen. Trotz dieser Vorkehrungen musste die Roheisenproduktion am Standort Duisburg angepasst werden, da sich die Versorgung mit Rohstoffen verschlechterte. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern verfügt das Werk jedoch über Rohstoffvorräte für rund ein bis zwei Monate, zudem können Importrohstoffe über die Seehäfen Rotterdam und Antwerpen alternativ angeliefert werden.

Quelle: Eurometal / Foto: marketSTEEL