Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Tata Steel Nederland

von Hubert Hunscheidt

Die niederländische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Tata Steel IJmuiden (TSIJ) erhoben. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, in den Kokerei- und Gasanlagen KGF 1 und KGF 2 sogenannte „unzureichend ausgegarte Kokschargen“ („undercooked coke“) zugelassen und die Vorfälle nicht rechtzeitig gemeldet zu haben. Tata Steel weist die Vorwürfe zurück und kündigte an, sich im Gerichtsverfahren umfassend zu verteidigen.

Nach Angaben des Unternehmens stehen die Vorwürfe im Zusammenhang mit einem technischen Problem, das bei der Herstellung von Koks auftreten kann. Koks dient sowohl als Reduktionsmittel für Eisenerz als auch als Brennstoff im Hochofenprozess. In IJmuiden werden jährlich rund 135.000 Kokschargen produziert. In seltenen Fällen sei eine Charge nicht vollständig ausgegart, was kurzfristig zu erhöhten Emissionen führen könne. Nach Aussage von Tata Steel lasse sich dieses Risiko in einem Produktionsprozess dieser Größenordnung technisch nicht vollständig ausschließen.

Deutlicher Rückgang der Vorfälle

Tata Steel verweist darauf, dass das Unternehmen bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit der zuständigen Umweltbehörde an technischen Verbesserungen arbeitet. Seit 2020 sei die Zahl der Vorfälle um 98 Prozent reduziert worden. Zwischen Januar 2020 und Mai 2026 hätten unzureichend ausgegarte Kokschargen weniger als 0,011 Prozent aller Produktionszyklen ausgemacht und damit unter dem Branchendurchschnitt gelegen. Nach Unternehmensangaben wurde 2023 lediglich ein entsprechender Vorfall registriert, in den Jahren 2024 und 2025 seien keine Fälle mehr aufgetreten.

Vor diesem Hintergrund hält Tata Steel die strafrechtliche Verfolgung für nicht gerechtfertigt. Die betreffenden technischen Fragestellungen seien bereits Gegenstand eines langjährigen Dialogs mit der Umweltbehörde gewesen und durch entsprechende Maßnahmen weitgehend gelöst worden.

Green Steel Project soll Kokereien ersetzen

Das Unternehmen betont zudem, dass die Kokerei- und Gasanlagen KGF 1 und KGF 2 im Rahmen des Green Steel Project in den kommenden Jahren ohnehin stillgelegt werden sollen. Mit dem Transformationsprojekt will Tata Steel Nederland die CO₂-Emissionen der Stahlproduktion deutlich senken und schrittweise auf ein nachhaltigeres Produktionsverfahren umstellen.

Nach Unternehmensangaben liegt die CO₂-Intensität des integrierten Stahlwerks derzeit bei rund 1,66 Tonnen CO₂ je Tonne Rohstahl und damit im internationalen Vergleich im unteren Bereich vergleichbarer integrierter Stahlproduzenten.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft werden derzeit von Tata Steel rechtlich geprüft. Eine ausführliche Stellungnahme will das Unternehmen im Rahmen des Gerichtsverfahrens vorlegen.

Quelle und Foto: Tata Steel Nederland