Verschleißfester Stahl für korrosive und heiße Einsatzbereiche

von Hubert Hunscheidt

Der schwedische Stahlhersteller SSAB hat mit Hardox HiAce einen neuen verschleißfesten Stahl entwickelt, der speziell für Einsatzbedingungen konzipiert ist, in denen Abrasion, Korrosion und erhöhte Temperaturen gleichzeitig auftreten. Das Material soll damit eine Lücke zwischen klassischen verschleißfesten Stählen, rostfreien Stählen und keramischen Werkstoffen schließen.

Hardox HiAce besitzt laut SSAB vergleichbare Härte-, Streckgrenzen- und Zähigkeitseigenschaften wie die bekannte Verschleißplatte Hardox 450. Gleichzeitig bietet der Werkstoff eine verbesserte Beständigkeit gegenüber korrosivem Verschleiß, wie er beispielsweise in Umgebungen mit Säuren, Sulfaten, Ammoniak oder Salzen entsteht.

Gerade in Anwendungen, in denen mechanischer Verschleiß und chemische Angriffe gleichzeitig auftreten, stoßen konventionelle Materialien häufig an ihre Grenzen. Während rostfreie Stähle zwar eine hohe Korrosionsbeständigkeit bieten, begrenzt ihre geringere Härte häufig die Lebensdauer in stark abrasiven Anwendungen. Hardox HiAce kombiniert dagegen hohe Härte mit Widerstandsfähigkeit gegen korrosiven Angriff.

Typische Einsatzfelder liegen unter anderem in der Abfallwirtschaft, der Recyclingindustrie, der Zellstoff- und Papierproduktion, der Holzverarbeitung, im Bergbau sowie in der Landwirtschaft und im Transportsektor.

Interne Tests von SSAB zeigen, dass Hardox HiAce in abrasiven Umgebungen mit pH-Wert 4 eine bis zu 20 Prozent längere Lebensdauer als rostfreier Stahl S304 erreichen kann. Zudem wurden keine Anzeichen von Lochkorrosion festgestellt. In einer sechsjährigen Feldstudie bei einem Müllfahrzeug des schwedischen Unternehmens Allmiljö wies der mit Hardox HiAce ausgekleidete Fahrzeugboden nach mehr als 100.000 Kilometern lediglich rund 40 Prozent Verschleiß auf.

Neben der Widerstandsfähigkeit gegen korrosiven Verschleiß ist der Werkstoff auch für Anwendungen mit erhöhten Temperaturen ausgelegt. Hardox HiAce behält seine Verschleißbeständigkeit und Härte laut Hersteller auch bei Temperaturen von bis zu etwa 400 Grad Celsius bei.

Praktische Erfahrungen sammelte SSAB unter anderem im eigenen Kokswerk im schwedischen Oxelösund. Dort kommt der Stahl in Bereichen zum Einsatz, in denen heißer Koks nach dem Ofenaustrag sowohl hohe Temperaturen als auch abrasive und leicht korrosive Bedingungen erzeugt. Die Kombination aus Verschleiß-, Korrosions- und Temperaturbeständigkeit soll die Lebensdauer von Anlagenkomponenten in solchen Umgebungen deutlich verlängern.

Bei der Erneuerung von Auskleidungsplatten an einer der Rutschen im Werk entschied sich SSAB für Hardox HiAce, da der Werkstoff Abrieb, Stößen, Korrosion und hohen Temperaturen gleichzeitig widersteht. Nach mehreren Monaten im Betrieb lagen die gemessenen Verschleißwerte sogar unter den ursprünglichen Erwartungen.

Weitere Hochtemperaturanwendungen für Hardox HiAce in Stahlwerken sind unter anderem Abschreckwagen, Kühlbetten, Schlackenkipper sowie Schaber an Ofeneinläufen.

Auch außerhalb der Stahlindustrie eignet sich der Werkstoff für Anwendungen mit hohen Temperaturen und abrasiven Belastungen. Dazu zählen beispielsweise Trocknertrommeln und Mitnehmerplatten in Asphaltanlagen, Kühler- und Auskleidungsplatten in Zementwerken, Ascheförderanlagen und Kettenförderer in Kraftwerken sowie Schaber und Siebanlagen in Gießereien. Darüber hinaus kommt der Stahl auch in Brecher-Auskleidungen und bei Klinkerhämmern zum Einsatz.

Quelle und Foto: SSAB AB