SSAB präsentiert das weltweit erste Schutzstahlpulver für den 3D-Druck

von Hubert Hunscheidt

SSAB hat mit Armox® 500 AM Powder das nach eigenen Angaben weltweit erste Schutzstahlpulver auf den Markt gebracht, dessen Eigenschaften denen der bewährten Armox®-Panzerstahlplatten entsprechen. Das Unternehmen sieht darin einen wichtigen Schritt, um die Möglichkeiten der additiven Fertigung für Schutzanwendungen deutlich zu erweitern.

Armox® gilt seit mehr als 40 Jahren als einer der führenden Panzerstähle weltweit. Mit dem neuen Pulver überträgt SSAB die bewährten Schutz- und Festigkeitseigenschaften nun auf den industriellen 3D-Druck. Bereits in der Entwicklungsphase stieß das Material auf großes Interesse bei Kunden aus der Verteidigungsindustrie.

„Die Nachfrage nach Schutzstählen wächst weltweit, gleichzeitig steigt der Bedarf an leistungsfähigen Metallpulvern für die additive Fertigung. Dank unserer jahrzehntelangen Erfahrung mit hochfesten Stählen konnten wir ein Pulver entwickeln, das für den 3D-Druck optimiert ist und neue Möglichkeiten für leichte, hochfeste Konstruktionen eröffnet“, erklärt Per Elfgren, Head of SSAB Special Steels.

Neue Designfreiheit für Schutzanwendungen

Während klassische Panzerplatten Schutz durch die Aufnahme und Ableitung von Energie bieten, ermöglicht die additive Fertigung zusätzlich den Einsatz komplexer, geometrieoptimierter Strukturen. Komponenten können so konstruiert werden, dass sie bei geringerem Gewicht ein hohes Schutzniveau erreichen.

Möglich werden beispielsweise massive Bauteile wie Gehäuse oder Scharniere ebenso wie mehrschichtige Komponenten mit Gitter- oder Wabenstrukturen im Inneren. Solche Geometrien lassen sich mit konventionellen Fertigungsmethoden aus Plattenmaterial häufig nur schwer oder gar nicht herstellen.

Schutz für besonders gefährdete Komponenten

SSAB sieht das neue Material insbesondere bei der Absicherung sensibler Anbauteile und Systeme von Fahrzeugen und Anlagen. Individuell gefertigte Schutzkomponenten können beispielsweise Kamerasysteme, Antennenhalterungen, Sensoren, Radarsysteme, hydraulische Anschlüsse oder Kabelverbindungen vor Beschädigungen schützen. Dadurch lassen sich kritische Schwachstellen absichern, ohne die Funktionalität der Systeme einzuschränken oder eine nachträgliche Wärmebehandlung erforderlich zu machen.

Produktion in Schweden wird ausgebaut

Das Armox® 500 AM Powder wird im schwedischen Oxelösund hergestellt. Nach Angaben von SSAB wurde das Pulver umfassend hinsichtlich Fließfähigkeit, Partikelform und Korngrößenverteilung getestet. Darüber hinaus wurden bereits zahlreiche Bauteile gedruckt und auf ihre ballistische Widerstandsfähigkeit sowie ihre Beständigkeit gegenüber Explosionsbelastungen geprüft.

Armox® 500 AM Powder ist die erste Sorte einer geplanten Produktfamilie für Schutzanwendungen im 3D-Druck. Parallel dazu baut SSAB seine Pulverproduktion in Oxelösund aus. Ab 2028 soll die Anlage eine Produktionskapazität von rund 350 Tonnen pro Jahr erreichen und damit die Fertigung im kommerziellen Maßstab ermöglichen.

Quelle und Fotos: SSAB AB