Brillux erhält NATO-Zertifizierung für Pulverlack

von Hubert Hunscheidt

Brillux Industrielack hat für seinen Pulverlack B-Powder Military STANAG Coat 5936 die Zertifizierung nach der NATO-Norm STANAG 4360 erhalten. Nach Unternehmensangaben ist Brillux damit der erste Hersteller, dessen Pulverlack die entsprechenden Anforderungen für militärische Anwendungen erfüllt. Die Freigabe erteilte das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe der Bundeswehr (WIWeB).

Damit können erstmals auch Pulverlackbeschichtungen für militärische Fahrzeuge, Ausrüstungsgegenstände und Landmilitärgerät eingesetzt werden, bei denen die Einhaltung der STANAG 4360 vorgeschrieben ist. Bislang waren für diese Anwendungen ausschließlich Nasslacksysteme zugelassen.

Die Zertifizierung gilt zunächst für den Farbton RAL 6031-F9 Bronzegrün, der bei der Bundeswehr als Hauptfarbton verwendet wird.

Hohe Anforderungen an Beständigkeit und Korrosionsschutz

Die NATO-Norm STANAG 4360 definiert Anforderungen an Beschichtungssysteme, die gegenüber chemischen Kampfstoffen und Dekontaminationsmitteln beständig sein müssen. Dabei kommt es insbesondere darauf an, die Aufnahme gefährlicher Substanzen in die Beschichtung zu begrenzen und eine wirksame Dekontamination zu ermöglichen.

Der zertifizierte Pulverlack erfüllt nach Angaben von Brillux zugleich die Technischen Lieferbedingungen 8010-0002 der Bundeswehr. Zu den geprüften Eigenschaften gehören neben der Kampfstoffbeständigkeit unter anderem Korrosionsschutz, Witterungsbeständigkeit, mechanische Belastbarkeit, Tarnfähigkeit sowie die Beständigkeit gegenüber Betriebsstoffen wie Diesel.

„Die Erteilung der STANAG-Zertifizierung ist ein Meilenstein in unserer Entwicklungsarbeit und zugleich ein bedeutender Fortschritt für den Schutz und die Zuverlässigkeit militärischer Ausrüstung“, erklärt Dr. Yannik Alt, Leiter Forschung und Entwicklung im Bereich Pulverlacke bei Brillux Industrielack.

Neue Möglichkeiten für industrielle Beschichtungsbetriebe

Für Unternehmen der Metallverarbeitung und Oberflächentechnik eröffnet die Zertifizierung zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. Pulverlacke kommen ohne flüchtige Lösemittel aus und lassen sich in industriellen Beschichtungsanlagen effizient verarbeiten. Gegenüber Nasslackverfahren können dadurch Materialverluste und Prozesszeiten reduziert werden.

Ein weiterer Vorteil liegt in der vorhandenen Infrastruktur. Da zahlreiche industrielle Beschichtungsbetriebe bereits mit Pulverlackanlagen arbeiten, könnten zusätzliche Fertigungskapazitäten für die Beschichtung militärischer Komponenten erschlossen werden.

Nach Angaben von Brillux lässt sich der zertifizierte Pulverlack in bestehende Beschichtungsprozesse integrieren, ohne dass eine grundsätzliche Umstellung der Anlagen erforderlich ist.

Die Zertifizierung ermöglicht die Verarbeitung in Deutschland. Für den Export des Pulverlacks sind aufgrund seiner Einstufung als Rüstungsgut entsprechende Genehmigungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erforderlich.

Weitere Bundeswehrfarbtöne geplant

Brillux hatte bereits 2017 eine Freigabe für den Farbton RAL 6031-F9 erhalten, damals allerdings noch ohne die Prüfung nach STANAG 4360. Weitere Zertifizierungen für militärische Farbtöne folgten 2021 und 2022.

Nun arbeitet das Unternehmen daran, auch die Farbtöne RAL 9021-F9 Teerschwarz und RAL 1039 Sandbeige nach der NATO-Norm zertifizieren zu lassen.

Mit der neuen Freigabe erweitert Brillux die Einsatzmöglichkeiten industrieller Pulverbeschichtungen in einem Anwendungsbereich, der hohe Anforderungen an Materialbeständigkeit, Oberflächenschutz und Prozesssicherheit stellt.

Quelle und Fotos: Brillux GmbH & Co. KG