SKF investiert in Recyclingtechnologie für gefährlichen Stahlschleifschlamm

von Hubert Hunscheidt

SKF hat gemeinsam mit Stephen Industries und Chalmers Ventures eine strategische Beteiligung am schwedischen Start-up Anferra AB bekannt gegeben. Ziel der Investition ist es, eine innovative Recyclingtechnologie zur industriellen Nutzung weiterzuentwickeln, die eines der größten Abfallprobleme der Stahl- und Lagerindustrie lösen soll: gefährlichen Stahlschleifschlamm.

Beim Schleifen von Metall entsteht ein feinkörniges Gemisch aus Metallpartikeln, Schleifmitteln und verunreinigter Kühlschmieremulsion. Dieser Schleifschlamm wird in der Regel als gefährlicher Abfall eingestuft und überwiegend verbrannt oder deponiert. Weltweit fallen davon jährlich rund zwölf Millionen Tonnen an, was sowohl erhebliche Umweltbelastungen als auch hohe Entsorgungskosten verursacht.

Das von Anferra entwickelte Verfahren wandelt den Schleifschlamm in Eisen(III)-chlorid um, das unter anderem in der Trink- und Abwasseraufbereitung eingesetzt wird. Gleichzeitig entsteht Wasserstoff als Nebenprodukt, der als Energieträger genutzt werden kann. Nach Unternehmensangaben ergibt sich gegenüber herkömmlichen Entsorgungsverfahren ein potenzieller Klimavorteil von bis zu 470 Kilogramm CO₂-Äquivalenten pro Tonne Schleifschlamm.

Die Technologie erreicht eine Rückgewinnungsquote von bis zu 90 Prozent des enthaltenen Eisens und benötigt dabei deutlich weniger Energie als konventionelle Verfahren. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, Schleifschlamm künftig nicht mehr als gefährlichen Abfall, sondern als Sekundärrohstoff zu nutzen. Damit unterstützt das Verfahren die europäischen Bestrebungen, den Markt für Sekundärrohstoffe auszubauen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

„Schleifschlamm gehört zu den größten Recyclingherausforderungen in der Stahl- und Wälzlagerindustrie. Der Ansatz von Anferra eröffnet einen intelligenteren Weg zu mehr Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung“, erklärte Mikael Krook, Director SKF Ventures. Die Beteiligung sei zugleich die erste Investition von SKF Ventures, einer neuen Initiative des Unternehmens zur Förderung innovativer Zukunftstechnologien.

Auch Anferra sieht in der Zusammenarbeit einen wichtigen Meilenstein. „Mit der Unterstützung und der engen Zusammenarbeit mit SKF können wir den Weg zur industriellen Umsetzung weltweit beschleunigen. Unser Ziel ist es, die Deponierung von Schleifschlamm deutlich zu reduzieren und gleichzeitig Kreislaufwirtschaft sowie Ressourceneffizienz weltweit zu steigern“, sagte Ebba Adolfsson, CEO und Mitgründerin von Anferra.

Die drei Investoren bringen unterschiedliche Kompetenzen in die Partnerschaft ein: Stephen Industries unterstützt die Skalierung von Deeptech- und Greentech-Unternehmen, SKF liefert industrielles Know-how sowie praktische Erfahrung mit Materialströmen und Nachhaltigkeitsstrategien, während Chalmers Ventures die wissenschaftliche Entwicklung und Kommerzialisierung begleitet.

Die Investition reiht sich in die Circular-Economy-Strategie von SKF ein. Das Unternehmen verfolgt bereits verschiedene Ansätze zur Ressourcenschonung, darunter die Wiederaufbereitung von Wälzlagern, den geschlossenen Einsatz von Schmierölen über RecondOil sowie die Entwicklung von Recyclingstahl mit besonders niedrigen Emissionen und hydrometallurgischen Verfahren zur Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe. Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch weiter zu senken und den Übergang zu einer klimaneutralen, zirkulären Industrie zu beschleunigen.

Quelle und Foto: SKF Group