Silbitz Group stellt Eisengießerei Torgelow neu auf – Aufträge reichen bis 2030
von Hubert Hunscheidt
Der Verlust eines Großkunden aus der Windkraftindustrie hatte die Eisengießerei der Silbitz Group in Torgelow zu Jahresbeginn vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Siemens Gamesa hatte entschieden, Rotornaben, Antriebswellen, Lagergehäuse und weitere Komponenten künftig in China fertigen zu lassen. Inzwischen hat die Gießerei ihre Produktion neu ausgerichtet und den Schwerpunkt stärker auf Gussteile für Großmotoren verlagert.
Großmotoren übernehmen Schlüsselrolle
Nach Angaben von Werkleiter Dr.-Ing. Reinhard Weiß konnte das Unternehmen die Umstellung innerhalb kurzer Zeit umsetzen. Bereits im laufenden Quartal wurden mehr der bis zu 90 Tonnen schweren Motorblöcke produziert als im gesamten Vorjahr. Die Bauteile erreichen Abmessungen von bis zu elf mal drei Metern.
Mittlerweile entfallen rund 65 Prozent der Produktion auf den Motorenbau. Komponenten für Windkraftanlagen stehen weiterhin für etwa 30 Prozent. Begünstigt wurde die Neuausrichtung durch eine steigende Nachfrage nach Großmotoren und die Gewinnung zusätzlicher Kunden.
Die Auftragsbücher in diesem Bereich seien bis 2030 gefüllt. Damit verfügt das Werk wieder über längerfristige Planungssicherheit. Auch ein Personalabbau konnte vermieden werden: In Torgelow arbeiten weiterhin rund 270 Beschäftigte sowie 15 Auszubildende.
Einsatz von Schiffbau bis Rechenzentrum
Die in Torgelow gefertigten Motoren kommen unter anderem im Schiffbau, in der dezentralen Energieerzeugung und bei KI-Rechenzentren zum Einsatz. Je nach Anwendung können sie mit Diesel, Erdgas, Biogas, Ammoniak oder Wasserstoff betrieben werden. Die Aufträge stammen nach Unternehmensangaben aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Unterstützung erhält die Gießerei zudem vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Ein Darlehen der Landesbank über 15 Millionen Euro wurde vollständig ausgezahlt und soll helfen, die Folgen des weggefallenen Großauftrags abzufedern. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet die Gießerei weiterhin profitabel.
Bei einem Besuch des Standorts verwies Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank auf die Bedeutung der Gießereien für die industrielle Wertschöpfung des Landes. Zugleich forderte er wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Investitionsbedingungen, weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Anbietern aus Drittstaaten.
Quelle: Nordkurier / Foto: Fotolia