Signale für moderates Wachstum und steigenden Zukunftsoptimismus

von Hubert Hunscheidt

Die Wirtschaft der Eurozone ist mit moderatem, aber stabilem Wachstum in das Jahr 2026 gestartet. Der HCOB Flash Eurozone Composite PMI verharrte im Januar bei 51,5 Punkten und liegt damit zum 13. Mal in Folge über der Wachstumsschwelle von 50. Das Niveau signalisiert eine fortgesetzte Ausweitung der Geschäftstätigkeit, nachdem die Eurozone Ende 2025 ihr bestes Quartal seit dem zweiten Quartal 2022 verzeichnet hatte.

Das Wachstum bleibt jedoch schwächer als im Herbst. Auf Quartalsbasis entspricht der aktuelle PMI einem BIP-Zuwachs von rund 0,25 %, nachdem im vierten Quartal noch gut 0,3 % erreicht worden waren. Treiber bleibt der Dienstleistungssektor, dessen Dynamik sich allerdings weiter abgeschwächt hat. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete zwar wieder einen leichten Produktionsanstieg, kämpft jedoch weiterhin mit einer anhaltenden Nachfrageschwäche und rückläufigen Auftragseingängen.

Regional entwickelte sich die Konjunktur uneinheitlich. In Deutschland beschleunigte sich das Wachstum auf ein Drei-Monats-Hoch, gestützt durch Dienstleistungen und eine marginale Erholung der Industrie. In Frankreich hingegen ging die Gesamtproduktion erstmals seit drei Monaten zurück, da die Schwäche im Dienstleistungssektor die Zuwächse im verarbeitenden Gewerbe überlagerte.

Deutlich verbessert haben sich die Erwartungen der Unternehmen. Der Zukunftsoptimismus erreichte ein 20-Monats-Hoch, im verarbeitenden Gewerbe sogar den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Besonders stark fiel die Stimmungsaufhellung in Deutschland und Frankreich aus, während sie in den übrigen Euro-Ländern wieder etwas nachgab. Die Erhebung erfolgte zudem vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen zwischen Europa und den USA, was die verbesserte Erwartungshaltung zusätzlich bemerkenswert macht.

Belastend wirkten dagegen ein Anstieg der Verkaufspreisinflation sowie ein erneuter Beschäftigungsrückgang. Die Preisentwicklung wurde vor allem durch höhere Dienstleistungspreise in Deutschland geprägt, die im Zusammenhang mit der deutlichen Anhebung des Mindestlohns zum Jahresbeginn stehen. Gleichzeitig ging die Beschäftigung in der Eurozone erstmals seit drei Monaten zurück, maßgeblich verursacht durch einen spürbaren Stellenabbau in Deutschland. In Frankreich und im übrigen Euroraum zeigte sich der Arbeitsmarkt hingegen stabiler bis leicht positiv.

Insgesamt signalisiert der Flash-PMI einen vorsichtigen Aufwärtstrend für die Eurozone, getragen von verbessertem Vertrauen und moderatem Wachstum, bei gleichzeitig zunehmenden strukturellen Herausforderungen durch Kosten, Beschäftigung und Nachfrage im Industriesektor.

Quelle: S&P Global Ratings Europe Ltd. / Foto: Fotolia