Schwacher Arbeitsmarkt – noch keine Trendwende erreicht
von Hubert Hunscheidt
Nach den heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen lag die Arbeitslosigkeit in qualifizierten M+E-Berufen im Januar 2026 um 9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Saisonbereinigt stieg die Anzahl auf über 171.100. Dies bedeutet ein Plus um 0,2 Prozent zum Dezember 2025 und den höchsten Stand seit Februar 2021 – also mitten in der Corona-Krise. Die Anzahl der offenen Stellen nahm saisonbereinigt ebenfalls auf 124.400 ab, was 0,2 Prozent weniger als im Dezember ist. Im Vorjahresvergleich lagen die Stellenanzeigen für M+E-Jobs um 4 Prozent niedriger.
Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer: „Der schwache Jahresstart am Arbeitsmarkt zeigt deutlich, dass sich die Deindustrialisierung fortsetzt. Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2025 ist vor allem in steigenden Staatsausgaben begründet. Das ist teuer über höhere Steuern, Abgaben und Schulden erkauft und kann kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell sein. Im Gegenteil: Private Investitionen, Exporte sowie Wertschöpfung und Beschäftigung in der Industrie sind weiter unter Druck und liegen deutlich unter dem Vorjahr.
Ohne Unternehmensinvestitionen setzt sich der Arbeitsplatzabbau unweigerlich fort. Neben Energie- und Bürokratiekosten verhindern aber vor allem die hohen und weiter steigenden Lohnzusatzkosten Investitionsentscheidungen für den Standort Deutschland. Unternehmen werden aber nur investieren, wenn sie wieder davon ausgehen können, dass sich die Produktion am Standort auch rechnet. Es braucht jetzt mutige Reformen und konkrete Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern. Die im Koalitionsvertrag versprochene Einführung der Wochenarbeitszeit wäre beispielsweise ein wichtiges Signal für die Reformbereitschaft. Ebenso muss der deutsche Sonderweg beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz beendet werden.“
Die Personalpläne der M+E-Unternehmen sind fast unverändert abwärtsgerichtet. Die monatlich vom ifo-Institut für die M+E-Industrie erhobenen Personalpläne lagen im Januar 2026 bei minus 23 Punkten. 31 Prozent der M+E-Unternehmen müssen (weitere) Stellen streichen, während nur 8 Prozent mit Erweiterungen planen. Damit waren die Personalpläne den 31. Monat in Folge im negativen Bereich, was die längste Negativphase seit den frühen 2000er-Jahren – vor den Sozial- und Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 – darstellt.
Quelle: Gesamtmetall | Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. / Foto: marketSTEEL