Schrottverbrauch auf Tiefstand: Schwache Stahlproduktion treibt Exporte
von Hubert Hunscheidt
Der Schrottverbrauch der deutschen Stahlwerke ist 2025 deutlich eingebrochen und hat einen Tiefstand erreicht. Nach Angaben der Recyclingverbände bvse und BDSV wurden nur noch rund 15,7 Millionen Tonnen Stahlschrott in der Rohstahlproduktion eingesetzt – rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2009.
Ursache ist vor allem die schwache Stahlkonjunktur: Die Rohstahlproduktion ging 2025 um 8,6 Prozent auf 34,1 Millionen Tonnen zurück und blieb damit erneut deutlich unter der Marke von 40 Millionen Tonnen.
Die rückläufige Nachfrage der Stahlwerke wirkt sich unmittelbar auf die Recyclingwirtschaft aus. Sinkende Schrottzukäufe im Inland zwingen die Branche zunehmend, internationale Absatzmärkte zu erschließen. Die Exporte stiegen 2025 um 5,3 Prozent auf rund 7,7 Millionen Tonnen und entwickeln sich damit zu einem zentralen Ventil für die Branche.
Verbände betonen, dass dieser Trend strukturell bedingt ist: Bei schwacher Inlandsnachfrage seien offene Exportmärkte entscheidend, um Sammel- und Aufbereitungsstrukturen wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung die enge Kopplung zwischen Stahlproduktion und Recyclingströmen – sinkt die Produktion, geraten auch die Schrottmärkte unter Druck.
Trotz der schwachen Gesamtlage gewinnt die schrottbasierte Elektrostahlroute weiter an Bedeutung. Ihr Anteil an der deutschen Rohstahlproduktion stieg auf über 30 Prozent, während der Schrottanteil insgesamt auf mehr als 46 Prozent zunahm.
Für die Branche ergibt sich damit ein widersprüchliches Bild: Während Stahlschrott als zentraler Rohstoff für die Dekarbonisierung an Bedeutung gewinnt, bleibt seine Nachfrage kurzfristig stark von der konjunkturellen Entwicklung der Stahlindustrie abhängig.
Quelle: bvse / Foto: marketSTEEL