Schaeffler streicht weitere 3.460 Stellen – vier Standorte in Deutschland vor dem Aus

von Hubert Hunscheidt

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs. Nach den bereits im November 2024 angekündigten Restrukturierungen hat der Vorstand ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm beschlossen. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Überkapazitäten, die Senkung der Personalkosten und eine Verschlankung der Unternehmensorganisation.

Europaweit sollen netto 3.460 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2.660 in Deutschland. Betroffen sind insgesamt 16 Standorte. Etwa die Hälfte des Stellenabbaus entfällt auf die Produktion, weitere 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung sowie 20 Prozent auf andere Unternehmensbereiche.

Als Ursachen nennt Schaeffler die anhaltende Krise der europäischen Automobilindustrie, die rückläufige Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und den langsamer als erwarteten Hochlauf der Elektromobilität. Hinzu kommen nach Unternehmensangaben hohe Personalkosten in Deutschland und eine zu komplexe Organisationsstruktur.

Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach betroffen

Besonders einschneidend sind die geplanten Standortschließungen. Das Werk Dortmund mit derzeit rund 430 Beschäftigten und der Standort Morbach mit etwa 160 Mitarbeitenden sollen aufgegeben werden. Beide gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und produzieren Komponenten für Verbrennungsmotoren.

Auch die Aktivitäten am Standort Berlin mit rund 270 Beschäftigten sollen eingestellt werden.

Der Standort Schwalbach wird ebenfalls geschlossen. Ein Großteil der dortigen rund 385 Beschäftigten soll allerdings an den Schaeffler-Standort Frankfurt wechseln. Insgesamt sind in diesem Zusammenhang etwa 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Weitere Einschnitte sind im Werkzeugbau in Höchstadt sowie im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt vorgesehen. Darüber hinaus plant Schaeffler Kapazitäts- und Strukturanpassungen unter anderem in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg.

Außerhalb Deutschlands sollen Produktions- und Entwicklungskapazitäten in Frankreich und der Slowakei angepasst werden. Der belgische Standort Herstal mit rund 15 Beschäftigten wird geschlossen.

In Deutschland könnte fast jede fünfte Stelle wegfallen

Die Dimension des Personalabbaus wird beim Blick auf die deutsche Stammbelegschaft deutlich. Zum 30. September 2026 beschäftigte Schaeffler hierzulande 31.957 Mitarbeitende. Der jetzt angekündigte Abbau von 2.660 Stellen entspricht rund neun Prozent dieser Belegschaft.

Berücksichtigt man zusätzlich die bereits laufenden Restrukturierungsprogramme und die Anfang Oktober abgeschlossenen 1.800 Altersteilzeitverträge, erhöht sich der Anteil der wegfallenden Stellen nach Unternehmensangaben auf rund 18 Prozent.

Die Maßnahmen sollen überwiegend in den Jahren 2027 und 2028 umgesetzt werden. Schaeffler kündigte an, den Stellenabbau möglichst sozialverträglich und in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen zu gestalten.

Gehaltsverzicht soll zusätzlichen Stellenabbau verhindern

Neben den strukturellen Maßnahmen plant Schaeffler einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Vorgesehen ist ein zeitlich begrenzter, freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen und sämtliche Hierarchieebenen einbeziehen soll.

Die Einzelheiten müssen noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden. Der Beitrag soll die Personalkosten in den Jahren 2027 und 2028 zusätzlich senken. Ohne diese Maßnahme wäre der Stellenabbau nach Angaben des Unternehmens noch umfangreicher ausgefallen.

„Mit dem heute bekanntgegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren“, erklärte Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld.

300 Millionen Euro jährliche Einsparungen ab 2030

Mit dem neuen Programm strebt Schaeffler ab 2030 jährliche Ergebnisverbesserungen von rund 300 Millionen Euro an. Dem stehen einmalige Restrukturierungskosten von voraussichtlich 480 Millionen Euro gegenüber. Der überwiegende Teil soll bereits 2026 bilanziell berücksichtigt werden.

Trotz der Einschnitte hält Schaeffler an seiner Strategie fest, sich vom klassischen Automobilzulieferer zu einem breiter aufgestellten Technologieunternehmen zu entwickeln. Neue Geschäftsmöglichkeiten sieht der Konzern insbesondere in der humanoiden Robotik und der Verteidigungsindustrie.

In diesen Bereichen sollen künftig zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, die zumindest einen Teil des Stellenabbaus im traditionellen Automobilgeschäft ausgleichen könnten. Konkrete Zahlen dazu nennt Schaeffler bislang nicht.

Quelle und Foto: Schaeffler Technologies AG & Co. KG