Autor: von Angelika Albrecht

13.08.2019

Salzgitter: Gute Geschäfte, aber weniger als im Vorjahr

Salzgitter - In seinem Halbjahresbericht meldet der Salzgitter-Konzern 145 Mio. € Vorsteuergewinn. Sämtliche Geschäftsbereiche erzielen nach Konzernangaben positive Resultate, die internen Maßnahmenprogramme seien erfreulich und die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2019 sieht Salzgitter bestätigt

Der Salzgitter-Konzern verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 nach eigenen Angaben eine insgesamt zufriedenstellende Performance; alle Geschäftsbereiche wiesen positive Ergebnisbeiträge aus. Auch das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres schloss der Konzern mit einem Gewinn vor Steuern ab (19,4 Mio. €). Allerdings sind Umsatz und Gewinn deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Nachgebende Walzstahlerlöse verbunden mit einem weiteren Rohstoffpreisanstieg führten zu einer rückläufigen Ergebnissituation der stahlnahen Segmente. Indes entwickelt sich die KHS-Gruppe als größter Teilbereich der Technologiesparte weiterhin sehr erfreulich. Die – auch in weniger komfortablen Phasen vorhandene – Stabilität des Konzerns ist insbesondere der entschiedenen Umsetzung der Effizienz- und Wachstumsprogramme zu verdanken.

„Nach dem besten Auftaktquartal seit 2008 wirkten sich sukzessiv verschlechternde Rahmenbedingungen nun auch auf das Ergebnis des Salzgitter-Konzerns aus. Unsere seit Jahren konsequent durchgeführten internen Entwicklungs- und Optimierungsanstrengungen beweisen in dieser Situation erneut ihre Richtigkeit und mindern den Effekt der Markteintrübung. Mit neuen Impulsen werden wir die Zukunft der Salzgitter AG konzentriert und entschlossen gestalten. Unsere unaufgeregte, auf Nachhaltigkeit setzende Strategie spiegelt sich – neben dem großen Volumen vorsorglich erworbener CO2-Zertifikate für die vierte Periode des Europäischen Treibhausgas-Emissionshandelssystems – auch in der Realisierung des Investitionsprojektes ‚Feuerverzinkung 3‘ wider, mit dem die Salzgitter Flachstahl GmbH ihre Marktposition als Hersteller von Premiumprodukten festigt“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann.

Der Salzgitter-Konzern verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 mit 4,5 Mrd. € einen geringfügig niedrigeren Außenumsatz als in der Vergleichsperiode (H1 2018: 4,6 Mrd. €). Haupttreiberdieser Entwicklung waren mengen- und preisbedingte Rückgänge der Geschäftsbereiche Flachstahl sowie Grobblech / Profilstahl und Handel. Der Gewinn vor Steuern erreichte vorzeigbare 145,3 Mio. € (H1 2018: 198,6 Mio. €). Darin enthalten sind 56,4 Mio. € Beitrag des nach der Equity-Methode bilanzierten Engagements an der Aurubis AG (H1 2018: 25,1 Mio. €). Dieser umfasst 27,8 Mio. € (H1 2018: 0 €) Ertrag aus einer erfolgswirksamen bilanziellen Anpassung im Zusammenhang mit den in den ersten sechs Monaten 2019 zu einem durchschnittlichen Kurs unterhalb des Marktwertes des anteiligen Eigenkapitals erworbenen Aktien der Aurubis AG.

Das Nachsteuerergebnis betrug 96,4 Mio. € (H1 2018: 135,4 Mio. €). Hieraus errechnen sich 1,73 € Gewinn je Aktie (H1 2018: 2,45 €) sowie 7,9 % Verzinsung des eingesetzten Kapitals (H1 2018: 12,8 %).

Die Nettofinanzposition (-164,4 Mio. €; 30.06.2018: 239,5 Mio. €) ging im Wesentlichen als Folge von rohstoffpreisbedingtem Aufbau des Working Capitals, der Aufstockung der Beteiligung an der Aurubis AG sowie der Fortführung unserer strategischen Investitionsprojekte wie der neuen Wärmebehandlungslinie am Standort Ilsenburg zurück. Mit 34,8 % Eigenkapitalquote (30.06.2018: 36,3 %) verfügt die Salzgitter AG auch nach Absenkung des Rechnungszinssatzes für Pensionsrückstellungen auf nur noch 1,0 % über eine solide Bilanz. Im Rahmen der erfolgreichen Anschlussemission des Schuldscheindarlehens kam es stichtagsbezogen zu einer temporären Bilanzverlängerung von Finanzmitteln und Schulden von 200 Mio. €. Die nahezu betragsgleiche Erhöhung des Anlagevermögens und der Schulden in Höhe von 128 Mio. € infolge der Anwendung des neuen Leasingstandards IFRS 16 ist cash-neutral.

Ausblick


Die Salzgitter AG sieht ihre Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2019 bestätigt. Der Konzern rechnet mit:

  • einem gegenüber Vorjahr geringfügig niedrigeren Umsatz oberhalb 9,0 Mrd. €,
  • einem Vorsteuergewinn (EBT) zwischen 125 Mio. € und 175 Mio. € sowie
  • einer sichtbar unter dem Vorjahreswert liegenden Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE).


Der Stahl- und Technologiekonzern weist jedoch darauf hin, dass Imponderabilien unter anderem aus Rohstoffkosten-, Edel- metallpreis- und Wechselkursveränderungen sowie globalen handelspolitischen Entwicklungen den Verlauf des Geschäftsjahres 2019 noch erheblich beeinflussen können. Die Dimension dessen wird deutlich, wenn man unterstellt, dass bei noch rund 6 Mio. t bis Jahresende abzusetzender Stahlerzeugnisse der Geschäftsbereiche Flachstahl, Grobblech / Profilstahl, Mannesmann und Handel eine Margenveränderung von im Schnitt 10 € pro Tonne bereits ausreichen, um 60 Mio. € Ergebnisvarianz zu verursachen.

Quelle und Vorschaubild: Salzgitter AG