Saarland hält am Milliardenprojekt für grünen Stahl fest
von Hubert Hunscheidt
Das Saarland hält trotz der Debatte um die Wirtschaftlichkeit von grünem Stahl am Umbau seiner Stahlindustrie fest. Wirtschaftsminister Jürgen Barke sieht für eine klimafreundliche Stahlproduktion in Deutschland und Europa weiterhin eine wettbewerbsfähige Perspektive – vorausgesetzt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.
In einer Fragestunde im saarländischen Landtag widersprach Barke Zweifeln, die zuletzt unter anderem durch eine Studie der Unternehmensberatung PwC neue Nahrung erhalten hatten. Darin wird die Wirtschaftlichkeit einer europäischen Stahlproduktion auf Basis von Wasserstoff und weitgehend ohne CO₂-Emissionen kritisch betrachtet.
Die Entscheidung für Investitionen in grünen Stahl bezeichnete Barke dagegen als „goldrichtig“. Eine klimafreundlichere Stahlproduktion in Europa könne funktionieren, wenn die Transformation als „politisch-ökonomisches Gesamtprojekt“ verstanden werde.
4,6 Milliarden Euro für den Umbau
Saarstahl und Dillinger investieren nach eigenen Angaben mit staatlicher Unterstützung insgesamt 4,6 Milliarden Euro in die Transformation ihrer Produktion. Die Förderung sei, so Barke, „kein Subventionsgeschenk“, sondern eine notwendige Absicherung des Gesamtprojekts.
Für das Saarland reicht die Bedeutung der Investitionen weit über die beiden Stahlunternehmen hinaus. Rund 12.000 Menschen sind unmittelbar in der saarländischen Stahlindustrie beschäftigt, weitere etwa 20.000 Arbeitsplätze hängen indirekt von ihr ab. Ein Verlust der Stahlproduktion würde nach Einschätzung der Landesregierung deshalb auch andere Industriezweige wie Automobilbau und Maschinenbau treffen.
Barke bezeichnete Stahl als „das Herzstück unseres Landes“. Entsprechend gehe es bei der Transformation nicht allein um die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen, sondern um den Erhalt industrieller Wertschöpfungsketten im Saarland.
Strategische Bedeutung europäischer Stahlproduktion
Neben Klima- und Standortpolitik rückte Barke auch die strategische Dimension der Stahlindustrie in den Mittelpunkt. Europa benötige eine eigene leistungsfähige Stahlproduktion unter anderem für Sicherheit und Verteidigungsindustrie.
Die Zukunft der Branche könne deshalb nicht ausschließlich anhand betriebswirtschaftlicher Kriterien beurteilt werden. Handels- und Industriepolitik sowie veränderte internationale Rahmenbedingungen müssten ebenfalls berücksichtigt werden.
Die Fragestunde im saarländischen Landtag war vom AfD-Abgeordneten Christoph Schaufert beantragt worden.
Quelle: SÜWE Vertriebs- und Dienstleistungsgesellschaft mbH & Co.KG / Foto: Saarstahl AG