Rückschlag für Industriestandort Deutschland: Outokumpu sagt Millioneninvestition ab
von Hubert Hunscheidt
Ein weiteres Industrieprojekt in Deutschland ist gescheitert: Der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu hat seine Pläne für den Bau einer Biokohlenstoffanlage im Fährhafen Sassnitz-Mukran auf Rügen aufgegeben. Das Unternehmen wollte dort rund 40 Millionen Euro investieren und 25 neue Arbeitsplätze schaffen. Der bereits geschlossene Mietvertrag mit dem Hafen wurde inzwischen aufgehoben.
Wie der NDR berichtet, begründet Outokumpu den Rückzug mit veränderten betrieblichen Rahmenbedingungen. Ausschlaggebend seien unter anderem die begrenzten Möglichkeiten gewesen, die bei der Produktion entstehende Abwärme in der Region wirtschaftlich zu nutzen.
Abwärmenutzung wird zum entscheidenden Hindernis
Ursprünglich wollte Outokumpu in Sassnitz jährlich rund 15.000 Tonnen Biokohlenstoff aus Abfallholz herstellen. Dieser sollte als Ausgangsmaterial für Biokoks dienen, den der Edelstahlproduzent als Reduktionsmittel bei der Ferrochromherstellung einsetzen kann. Ziel war es, fossile Kohlenstoffträger teilweise zu ersetzen und damit die CO₂-Bilanz der Edelstahlproduktion zu verbessern.
Das Konzept sah zugleich vor, die entstehende Abwärme in das Fernwärmenetz der Stadt Sassnitz einzuspeisen. Doch die Berechnungen zeigten, dass die rund 9.000 Einwohner zählende Stadt nicht genügend Wärme abnehmen kann. Damit entfiel eine wichtige Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit des Projekts.
Industrieansiedlung mit Signalwirkung bleibt aus
Für Sassnitz ist die Absage besonders bitter. Neben Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen hatte sich die Stadt von Outokumpu einen langfristigen industriellen Partner für den Hafenstandort versprochen. Bürgermeister Leon Kräusche bedauert laut NDR die Entscheidung nach einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.
Auch für den Industriestandort Deutschland ist der Rückzug ein Rückschlag. Ausgerechnet ein Vorhaben zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie, das industrielle Wertschöpfung und kommunale Wärmeversorgung miteinander verbinden sollte, lässt sich am vorgesehenen Standort nicht verwirklichen.
Der Fährhafen Sassnitz will die bisherigen Planungsarbeiten dennoch nutzen, um weitere Investoren zu gewinnen. Hafenchef Henry Forster setzt dabei auf ein übergreifendes Energiekonzept für die Insel Rügen, das neben der Abwärmenutzung auch Windenergie, Photovoltaik und Batteriespeicher einbezieht.
Quelle: NDR / Foto: Outokumpu Oyj