Regen lässt Pegel steigen – Niedrigwasser bleibt Risiko für die Binnenschifffahrt
von Hubert Hunscheidt
Nach Wochen mit außergewöhnlich niedrigen Wasserständen sorgen Niederschläge für eine vorläufige Entspannung auf Deutschlands wichtigen Wasserstraßen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) steigen die Pegel an Rhein, Elbe und Donau wieder spürbar. Von einer nachhaltigen Entwarnung für Binnenschifffahrt und Industrie kann allerdings noch keine Rede sein.
Die anhaltende Hitze und Trockenheit hatte die Abflüsse an den frei fließenden Bundeswasserstraßen zuvor teilweise auf historische Tiefstände gedrückt. Vielerorts lagen die Pegel unter den bislang niedrigsten bekannten Tagesmittelwerten. Auch Weser, Ems und Oder erreichten zunehmend extreme Niedrigwasserbereiche.
Eine wesentliche Ursache ist das ausgeprägte Niederschlagsdefizit. In den vergangenen 30 Tagen erreichten die Niederschlagsmengen im mitteleuropäischen Binnenland im Durchschnitt lediglich rund 48 Prozent des langjährigen Mittelwertes. Besonders betroffen waren die Einzugsgebiete des Rheins und der oberen Donau. Gleichzeitig können Grundwasser und andere Wasserspeicher aufgrund der vorausgegangenen Trockenheit die Flüsse derzeit nur eingeschränkt stützen.
Rhein und Elbe erholen sich
Die jüngsten flächigen Niederschläge und Gewitter haben die Situation zunächst verbessert. Zahlreiche Pegel verlassen die extremen Niedrigwasserbereiche. An der Elbe wird am Pegel Barby ein Anstieg um 40 bis 50 Zentimeter erwartet. Damit könnte dort vorübergehend wieder der mittlere jährliche Niedrigwasserstand erreicht werden.
Auch für den für die Rheinschifffahrt wichtigen Pegel Kaub zeigt die Prognose der BfG nach dem vorherigen kontinuierlichen Rückgang wieder deutlich nach oben. Ein unmittelbarer Rückfall auf extreme Niedrigwasserstände gilt derzeit als weniger wahrscheinlich.
Für die Stahlindustrie und den Stahlhandel ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Der Rhein gehört zu den wichtigsten Transportachsen für Rohstoffe, Stahlprodukte und weitere Massengüter. Bei niedrigen Wasserständen können Binnenschiffe nur einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Das erhöht Transportkosten und kann zusätzliche Verkehre auf Schiene und Straße erforderlich machen.
Nachhaltige Entspannung noch nicht in Sicht
Die jüngsten Niederschläge ändern an der grundsätzlich angespannten hydrologischen Situation zunächst wenig. Das über Monate aufgebaute Niederschlagsdefizit bleibt erheblich. Für eine nachhaltige Normalisierung der Wasserstände wären nach Einschätzung der BfG insbesondere ergiebige Niederschläge in den kommenden Herbst- und Wintermonaten erforderlich.
Für Verlader und Binnenschifffahrt bedeutet dies: Die akute Lage hat sich verbessert, das Niedrigwasserrisiko für die Transportketten bleibt jedoch bestehen.
Quelle: Schiffahrts-Verlag Hansa GmbH & Co. KG / Foto: marketSTEEL