Reedereien meiden Rotes Meer – Umleitungen über Kap der Guten Hoffnung

von Hubert Hunscheidt

Die wichtigsten internationalen Containerreedereien haben ihre Pläne zur Rückkehr auf die Route durch das Rote Meer und den Suezkanal vorerst ausgesetzt. Hintergrund ist die jüngste Eskalation im Nahen Osten nach militärischen Aktionen gegen Iran, die zu einer Verschärfung der Sicherheitslage in der Region geführt haben.

Branchenberichten zufolge besteht die Gefahr, dass auch die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab vorübergehend für den Schiffsverkehr gesperrt werden könnte. Offizielle Bestätigungen über neue Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer liegen zwar bislang nicht vor, dennoch reagieren Reedereien mit Vorsichtsmaßnahmen.

Große Containerlinien wie Maersk, Hapag-Lloyd, CMA CGM und MSC bestätigten, dass sie weiterhin auf Umleitungen über das Kap der Guten Hoffnung setzen. Gleichzeitig wurden Durchfahrten durch den Suezkanal teilweise ausgesetzt oder verschoben. Einige Schiffe im Persischen Golf wurden angewiesen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen oder vorübergehend Schutz in Häfen zu suchen. Teilweise wurden auch Buchungen für Transporte in den Nahen Osten ausgesetzt, bis sich die Sicherheitslage stabilisiert.

Die anhaltenden Störungen auf einer der wichtigsten globalen Handelsrouten beeinflussen auch die Perspektiven des Frachtmarktes. Zwar könnte sich die erwartete Rückkehr größerer Containerkapazitäten in den Markt verzögern, dennoch rechnen Marktbeobachter damit, dass Frachtraten weiter unter Druck bleiben – allerdings weniger stark als ursprünglich erwartet.

Seit den Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer im Jahr 2023 war die Rückkehr zur Suezkanalroute mehrfach verschoben worden. Eine Normalisierung des Verkehrs hätte schätzungsweise zusätzliche Kapazitäten von rund 2,5 Millionen TEU im globalen Containerverkehr freigesetzt. Die jüngsten Entwicklungen machen jedoch deutlich, dass geopolitische Risiken weiterhin einen entscheidenden Einfluss auf internationale Lieferketten und Transportkosten haben.