Produktivitätschampions zeigen den Weg: Wenige Unternehmen treiben Deutschlands Wachstum

von Hubert Hunscheidt

Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin unter erheblichem Druck. Schwaches Wachstum, hohe Kosten und zunehmender internationaler Wettbewerb belasten zahlreiche Branchen. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey, dass einzelne Unternehmen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen erhebliche Produktivitätsfortschritte erzielen können.

Demnach vereinten lediglich 29 von rund 16.200 untersuchten deutschen Unternehmen zwischen 2019 und 2023 insgesamt 47 Prozent des gesamten Produktivitätswachstums auf sich. Die Unternehmen stammen aus unterschiedlichen Branchen, verfolgen jedoch ähnliche Strategien: Sie konzentrieren sich auf wachstumsstarke Geschäftsfelder, treiben Innovationen konsequent voran, internationalisieren ihre Aktivitäten und trennen sich von wenig zukunftsfähigen Geschäftsbereichen.

Für die Stahl- und Metallindustrie liefert die Untersuchung wichtige Hinweise. McKinsey sieht insbesondere vier strategische Handlungsfelder, die künftig über Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum entscheiden werden: die Neuausrichtung von Portfolios auf Zukunftsmärkte, eine höhere Innovationsgeschwindigkeit, neue Ansätze bei der internationalen Skalierung sowie den konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Vor allem beim Innovationstempo wächst der internationale Druck. Während beispielsweise chinesische Automobilhersteller Entwicklungszyklen deutlich verkürzen und gleichzeitig Kosten senken, geraten europäische Unternehmen zunehmend unter Zugzwang. Nach Einschätzung der Studienautoren wird die Geschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Großes Potenzial sehen die Experten zudem beim Einsatz von KI. Deutschland verfüge mit seiner industriellen Basis, hoher Prozessexzellenz und technischem Know-how über gute Voraussetzungen, um von der Technologie zu profitieren. Allerdings scheiterten bislang viele Projekte daran, dass Anwendungen nicht über die Pilotphase hinaus skaliert würden. Unternehmen, die KI konsequent in ihre Wertschöpfungsprozesse integrieren, könnten dagegen erhebliche Produktivitäts- und Ergebnisverbesserungen erzielen.

Eine begleitende Befragung von mehr als 80 Führungskräften großer Unternehmen zeigt zugleich den wachsenden Handlungsdruck. Rund 65 Prozent der Befragten sehen grundlegende Veränderungen als dringend notwendig an. Als größte Hindernisse werden neben Regulierung und Bürokratie vor allem Unternehmenskultur und mangelnde Veränderungsbereitschaft genannt.

Trotz der Herausforderungen bekennen sich viele Unternehmen weiterhin zum Standort Deutschland. Laut Umfrage planen 64 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Aktivitäten hierzulande zu stabilisieren oder auszubauen. Gleichzeitig wollen jedoch 22 Prozent ihre Präsenz reduzieren – ein Hinweis darauf, wie wichtig wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Zukunft des Industriestandorts bleiben.

Nach Einschätzung von McKinsey werden Produktivitätsfortschritte künftig weniger durch schrittweise Optimierungen als vielmehr durch konsequente strategische Entscheidungen, technologische Transformation und die Erschließung neuer Wachstumsfelder erzielt. Gerade für die Stahl- und Metallindustrie könnte dies ein entscheidender Faktor sein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend anspruchsvollen globalen Umfeld zu sichern.

Quelle: McKinsey & Company, Inc. / Foto: marketSTEEL