Peking greift ein: China plant Exportgenehmigungen für rund 300 Stahlprodukte
von Hubert Hunscheidt
Die chinesische Regierung hat angekündigt, ab dem 1. Januar des kommenden Jahres Exportkontrollen für eine breite Palette von Stahlprodukten einzuführen. Nach Angaben des Handelsministeriums in Peking sollen rund 300 Produkte künftig nur noch mit behördlicher Genehmigung ausgeführt werden. Eine offizielle Begründung für den Schritt wurde nicht genannt.
Beobachter sehen den Vorstoß im Zusammenhang mit der anhaltenden internationalen Kritik an Chinas Stahlüberkapazitäten und den hohen Exportmengen zu stark wettbewerbsverzerrenden Preisen. Unternehmen außerhalb Chinas werfen der Volksrepublik seit Jahren vor, ihre Stahlindustrie massiv zu subventionieren und damit Druck auf globale Märkte auszuüben.
Der chinesische Stahlindustrieverband begrüßte die Ankündigung als „wichtige Maßnahme“ zur besseren Steuerung der Exporte. Sie könne zur stabileren Entwicklung der Branche beitragen und das globale Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage unterstützen.
Gleichzeitig stehen die geplanten Kontrollen im Kontrast zur aktuellen Exportentwicklung: Trotz bestehender Handelshemmnisse, etwa US-Zöllen auf chinesischen Stahl, haben die Ausfuhren der Volksrepublik weiter zugelegt. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörden überschritten die Exporte bis einschließlich November deutlich die Marke von 100 Millionen Tonnen – ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
In Europa, insbesondere in Deutschland, werden die Ankündigungen mit Zurückhaltung aufgenommen. Vertreter der Stahlindustrie verweisen darauf, dass billige Importe aus China weiterhin erheblichen Druck auf heimische Produzenten ausüben. Ob die angekündigten Exportkontrollen tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung der internationalen Märkte führen, dürfte sich erst nach Inkrafttreten der Regelungen zeigen.
Quelle: Handelsblatt / Foto: marketSTEEL