Ohne Infrastruktur keine Energiewende

von Angelika Albrecht

Um die geplanten Klimaziele und Einsparungen zu erreichen, sei dringend eine Infrastruktur erforderlich, die Solar- und Windstrom richtig transportieren und speichern könne, so DIHK-Präsident Peter Adrian. "Notwendig sind außerdem neue Infrastrukturen für Wasserstoff- und CO2-Transport. Beide spielen ebenfalls eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Klimaneutralität."

Denn, so der DIHK-Präsident: "Vor allem für viele Industriebetriebe ist der rasche Zugang zu CO2-armem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen überlebenswichtig." Nach aktuellen DIHK-Umfragen hielten rund zwei Drittel aller Unternehmen eine möglichst schnelle flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff für notwendig, berichtet er. "Davon sind wir aber meilenweit entfernt: Noch fehlen entsprechende Märkte und damit auch Preissignale. Und auch hier dauern einschlägige Genehmigungsverfahren bislang viel zu lang. Wir müssen hier dringend beschleunigen."

Produktionskapazitäten und die Transportinfrastruktur fehlen

Die Bundesregierung wolle bis 2030 bei grünem Wasserstoff (H2) eine Kapazität von zehn Gigawatt erreichen; damit könne ein gutes Viertel des geschätzten Gesamtbedarfs an Wasserstoff produziert werden, rechnet Adrian vor. "Ende letzten Jahres hatten wir in Deutschland allerdings gerade einmal 79 Megawatt zur Verfügung – also weniger als ein Prozent der Zielvorgabe."

Dies zeige, dass Deutschland nur einen kleineren Teil des erforderlichen H2 selbst erzeugen könne. "Der Löwenanteil muss aus dem Ausland, bevorzugt von unseren europäischen Partnern, kommen", stellt der DIHK-Präsident klar. "Dieses Potenzial ist zwar vorhanden, aber es fehlen Produktionskapazitäten und die Transportinfrastruktur."

Perspektive einer flächendeckenden Verfügbarkeit nötig

Der "Stotterstart" beim Wasserstoff mache vor allem Betrieben in industriellen Regionen große Sorgen, so Adrian – und zwar sowohl in Hinblick auf die Wasserstoffmenge als auch hinsichtlich der regionalen Verfügbarkeit von H2. "Die Unternehmen benötigen für Investitionsentscheidungen am Standort Deutschland eine höheres Tempo bei der Wasserstoffproduktion hierzulande wie bei der Sicherung von Importkapazitäten", mahnt er. Erforderlich sei die Perspektive, dass H2 künftig flächendeckend verfügbar sein werde.

Wo und wie kann künftig Wasserstoff fließen?

"Daher sollte das Wasserstoffnetz von Anfang regional und europäisch mitgedacht werden. Damit können wir sicherstellen, dass die Infrastruktur passend zum Bedarf der Unternehmen entwickelt wird." Darüber hinaus solle "der Staat in der Aufbauphase und während des Markthochlaufs die notwendigen Investitionen durch europäische oder nationale Förderungen mitfinanzieren", schlägt der DIHK-Präsident vor. "Das gilt auch für die Netzentgelte. Andernfalls schließt sich anfangs aufgrund der hohen Kosten niemand an ein neues Wasserstoffnetz an."

DIHK-Positionspapier "Klimaneutralität 2045"

Was in punkto Infrastruktur und darüber hinaus passieren muss, um eine "Klimaneutralität 2045" erreichen zu können, hat die DIHK-Vollversammlung Ende September in dem gleichnamigen Papier aufgeführt. Darin nennt sie zehn Punkte zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen beim Aufbau neuer Infrastrukturen. Die Informationen finden  Sie auf der dihk-Webseite HIER, oder als pdf HIER


Quelle: DIHK / Vorschaubild: pixabay, Grafik: aditada31.

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