OECD-Staaten wollen entschlossener gegen Stahlüberkapazitäten vorgehen
von Hubert Hunscheidt
Die Mitglieder des Global Forum on Steel Excess Capacity (GFSEC) wollen ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen weltweite Überkapazitäten in der Stahlindustrie verstärken. Bei ihrem Ministertreffen in Milwaukee verständigten sie sich auf eine gemeinsame Ministererklärung und einen neuen „Comprehensive Framework for Joint Action“. OECD-Generalsekretär Mathias Cormann bezeichnete die Einigung als wichtigen Schritt zur Bewältigung einer der drängendsten Herausforderungen für die globale Stahlindustrie.
Das Forum war 2016 auf Grundlage einer Vereinbarung der G20-Staaten gegründet worden. Seither begleitet die OECD dessen Arbeit. Ziel ist es, durch mehr Transparenz, Dialog und internationale Zusammenarbeit die Ursachen und Folgen struktureller Überkapazitäten im Stahlsektor zu untersuchen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Überkapazitäten bleiben auf hohem Niveau
Nach Einschätzung der OECD befinden sich die weltweiten Stahlüberkapazitäten weiterhin auf historisch hohem Niveau und dürften in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die Organisation sieht darin nicht nur ein Problem für einzelne Stahlproduzenten. Überkapazitäten könnten Märkte und Handelsströme verzerren, fairen Wettbewerb beeinträchtigen sowie Investitionen und Innovationen erschweren.
Mit dem neuen Handlungsrahmen verpflichten sich die Mitglieder, stärker gegen Ursachen und Auswirkungen der Überkapazitäten vorzugehen. Gleichzeitig sollen internationale Zusammenarbeit, Monitoring und Rechenschaftspflicht verbessert werden.
Marktverzerrende Praktiken stärker untersuchen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nicht marktwirtschaftlichen politischen Maßnahmen und Praktiken, die nach Einschätzung des Forums zu zusätzlichen Kapazitäten und Marktverzerrungen beitragen können. Die Minister wollen die Arbeiten in diesem Bereich vertiefen. Mehr Transparenz und eine bessere Datengrundlage sollen helfen, Ursachen genauer zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu entwickeln.
Zugleich haben sich die Minister dafür ausgesprochen, das Mandat des Global Forum on Steel Excess Capacity um weitere drei Jahre zu verlängern. Für OECD-Generalsekretär Cormann zeigt dies, dass die Probleme, die 2016 zur Gründung des Forums geführt hatten, weiterhin bestehen.
Mit dem vereinbarten Maßnahmenpaket soll die internationale Zusammenarbeit nun langfristiger angelegt werden. Ziel seien widerstandsfähigere, marktorientierte und nachhaltige Stahlmärkte.
Quelle: OECD / Foto: marketSTEEL