NRW-Spitzengespräch thematisiert wesentliche wirtschaftspolitische Handlungsfelder
von Hubert Hunscheidt
Politik und Gießerei-Industrie im intensiven Dialog über die Wettbewerbsfähigkeit der 134 Gießereien in NRW sowie die Herausforderungen der Dekarbonisierung: Das war der Kerninhalt des Spitzengesprächs zwischen Landespolitik, BDG, IG Metall sowie führenden Branchenunternehmen aus Nordrhein-Westfalen am 20. März. Der Austausch war ein wichtiger erster Schritt – erforderlich sind jetzt schnelle und wirksame industriepolitische Maßnahmen.
Zum NRW-Branchendialog empfing der Verband am Düsseldorfer Verbandssitz die NRW-Minister Mona Neubaur ( Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie) sowie Karl-Josef Laumann (Arbeit, Gesundheit und Soziales). BDG-Präsident Clemens Küpper, BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer, Holger Lorek, IG Metallvorstand, sowie Geschäftsführer und Betriebsratsvorsitzende aus NRW-Gießereien – die aus der betrieblichen Praxis berichteten - komplettierten die Gesprächsrunde.
Wesentliche Gesprächsinhalte:
- Stromkosten: Gefordert ist ein in Industriestrompreis, der Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht und in der Breite entlastet. Der Zielwert liegt bei 5 Cent.
- Industrie-Emissionsrichtline (IED): Konsequente 1:1-Umsetzung der IED in nationales Recht, Verzicht auf sogenanntes „Goldplating
- Transformation: Gezielte Unterstützung bei der Transformation zur Klimaneutralität
- Carbon-Leakage: Wirksame Maßnahmen zur Verhinderung von Carbon Leakage
- Local Content: European-Content-Vorgaben auch für Gießerei-Produkte, wo Transformation öffentlich gefördert wird.
Der BDG wird diese Themen in weiteren Gesprächsformaten an die Politik adressieren, und sie im Rahmen des Nationalen Gießereidialogs im Juli in Berlin auch auf bundes-deutsche Ebene heben.
Zitate aus dem Spitzengespräch am 20. März im Düsseldorfer Haus der Gießerei-Industrie
Ministerin Mona Neubaur: „Wir wollen, dass Gießereien in Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft erfolgreich produzieren können. Dafür brauchen die Unternehmen verlässliche und international konkurrenzfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und gezielte Unterstützung bei Investitionen in klimafreundliche Technologien. Nordrhein-Westfalen geht diesen Weg im engen Schulterschluss mit Industrie und Gewerkschaften. Mit dem Nationalen Gießereidialog 2026 bringen wir diese Themen auf die bundespolitische Ebene und arbeiten gemeinsam an einer starken Zukunft für die Branche.“
Minister Karl-Josef Laumann: „Sie müssen mit Ihren Produkten konkurrenzfähig sein – weil Sie im internationalen Wettbewerb stehen. Was können wir uns dafür erlauben und was nicht? Über die Problematik ausgeuferter Bürokratie ist man sich abstrakt sofort einig. Die größte Regulierungsdichte betrifft Brüssel. Und ich nehme wahr, dass die deutsche Politik gegenüber der EU-Kommission sehr deutlich ihre Erwartungshaltung formuliert hat. Problem bei der Entbürokratisierung: Es sind tausend kleine Schritte zu gehen – ehe der Eindruck entsteht, dass sich wirklich etwas tut. Was die Energiekosten angeht, brauchen wir einen Industriestrompreis, mit dem man international konkurrenzfähig ist. Darüber muss man reden. Hier spricht viel dafür, dass sechs Cent pro Kilowattstunde nicht so einfach funktionieren.“
BDG-Präsident Clemens Küpper: „Dass Wirtschaft, Politik und Sozialpartner in diesem Spitzengespräch an einem Tisch sitzen ist wichtig und das richtige Signal: Wir haben eine Zukunft in Deutschland und Nordrhein-Westfalen Gießereien haben ihren festen Platz im industriellen Netzwerk und leisten zentrale Beiträge, damit wir auch als Standort und Gesellschaft resilient bleiben – und dafür brauchen wir die Unterstützung und den engen Dialog mit der Landesregierung.“
BDG-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Theuringer: „Der Ernst der Lage ist erkannt, die Lösungsangebote der Politik reichen jedoch bei weitem nicht aus, um auf die aktuelle Krise angemessen reagieren zu können. Gleichzeitig ist klar: Ewiges Fingerpointing auf die Politik hilft nicht weiter – Politik, Industrie, Verbände und Sozialpartner müssen gemeinsam agieren, um unsere Industrie am Standort zu halten. Dafür braucht es mehr Dialogräume gerade auch für Politik und mittelständisch geprägte Industrien, um Lösungen zu finden, die wirklich weiterhelfen.“
Quelle und Foto: BDG – Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e.V.