Norwegen investiert 50 Millionen Euro in die Wiederverwendung von Schiffsstahl

von Hubert Hunscheidt

Stahl aus stillgelegten Schiffen soll künftig in größerem Umfang als Baumaterial wiederverwendet werden. Das norwegische Unternehmen Nordic Circles und der Stahlverarbeiter Alsaker Stål planen gemeinsam mit der staatlichen Förderorganisation Enova Investitionen von rund 50 Millionen Euro, um die Wiederverwendung von Schiffsstahl zu industrialisieren. Ziel ist es, Stahlträger und andere Bauteile aus ausgedienten Schiffen für den Einsatz in neuen Gebäuden aufzubereiten, statt sie einzuschmelzen.

Enova hat dafür Fördermittel von bis zu 244 Millionen norwegischen Kronen (NOK) bewilligt, sofern das Projekt umgesetzt wird. Alsaker Stål will gemeinsam mit seinen Partnern bis zu 520 Millionen NOK in das Vorhaben investieren.

Schiffsstahl wird zum Baumaterial

Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer industriellen Prozesskette, in der Stahl aus ausgemusterten Schiffen zurückgewonnen, gereinigt, geprüft und für neue Anwendungen zertifiziert wird. Damit sollen tragende Stahlbauteile erneut im Hochbau eingesetzt werden können.

Dass dieses Konzept technisch funktioniert, haben bereits mehrere Pilotprojekte in Norwegen gezeigt. Dazu gehört ein achtgeschossiges Bürogebäude in Bergen, bei dessen Errichtung wiederverwendeter Schiffsstahl eingesetzt wurde.

Für die industrielle Umsetzung wollen die Projektpartner unter anderem KI-gestützte Planungswerkzeuge, automatisierte Prozesse sowie neue Verfahren zum Schneiden und Reinigen des Stahls einsetzen. Die Aufbereitung soll dadurch wirtschaftlicher werden und sich für größere Materialmengen eignen.

Millionen Tonnen Stahl als ungenutztes Potenzial

Nach Angaben von Nordic Circles fallen jährlich rund zehn Millionen Tonnen Stahl aus europäischen Schiffen zur Verschrottung an. Ein Großteil davon wird bislang in Asien verarbeitet. Die Wiederverwendung dieser Materialien könnte eine neue europäische Wertschöpfungskette schaffen.

Enova schätzt, dass sich durch die Wiederverwendung von Stahl aus ausgedienten europäischen Schiffen jährlich bis zu 17 Millionen Tonnen CO₂ vermeiden ließen, sofern der gesamte Stahl im Bauwesen wiederverwendet würde.

Anders als beim herkömmlichen Stahlrecycling durch Einschmelzen bleiben bei diesem Verfahren die vorhandenen Bauteile beziehungsweise das Stahlmaterial weitgehend erhalten. Damit entfällt ein erheblicher Teil des Energieaufwands für die erneute Stahlerzeugung.

Quelle: Nordic Circles AS / Foto: Eskil Byrkjeland / NRK