NORDWEST investiert in die Zukunft des Produktionsverbindungshandels

von Hubert Hunscheidt

Nach einem von strukturellen und konjunkturellen Herausforderungen geprägten Geschäftsjahr 2025 blickt die NORDWEST Handel AG vorsichtig zuversichtlich auf das Jahr 2026. Das Management erwartet für den NORDWEST-Konzern im Geschäftsjahr 2026 eine Entwicklung des Geschäftsvolumens über dem Vorjahresniveau, maßgeblich aufgrund der Akquise-Aktivitäten, die bereits im vergangenen Geschäftsjahr angestoßen wurden. Entsprechend wird auch mit einem positiven Geschäftsverlauf auf Ergebnisebene gerechnet.

Marktseitig wird für die deutsche Wirtschaft eine sehr moderate Erholung erwartet. Sinkende Finanzierungskosten, planbarere Rahmenbedingungen sowie anhaltende Bedarfe an Wohnraum, Sanierung und Infrastruktur sprechen für eine marginale Belebung, wenn auch ohne sprunghafte Dynamik. Gleichzeitig bleiben strukturelle Wachstumshemmnisse wie hohe Energie- und Standortkosten, eine schwache Investitionsdynamik in der Industrie sowie zunehmende regulatorische Anforderungen bestehen. Vor diesem Hintergrund geht NORDWEST für 2026 von einem insgesamt weiterhin herausfordernden, aber leicht verbesserten Marktumfeld aus.

Unter Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren rechnet der Vorstand für den NORDWEST-Konzern im Geschäftsjahr 2026 mit einem Geschäftsvolumen von rund 4,9 Milliarden Euro bei einer Schwankungsbreite von +/-0,9 %. Für das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) wird auf Konzernebene ein Wert von 11,8 Millionen Euro mit einer Bandbreite von +/-0,9 Millionen Euro erwartet. Das Ergebnis nach Ertragsteuern wird aufgrund gestiegener Finanzierungskosten – insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung der Neuausrichtung des NORDWEST-eigenen Lagergeschäfts in Alsfeld – deutlich unterhalb der EBIT-Entwicklung liegen.

Entwicklung im ersten Quartal 2026

In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat der NORDWEST-Konzern ein Geschäftsvolumen von 1.201,3 Millionen Euro erzielt. Damit lag die Entwicklung mit -0,8 % leicht unter dem Vorjahreswert. Mit Blick auf das ZR- und Streckengeschäft wurde im ersten Quartal mit 1.144,0 Millionen Euro ein Gesamtvolumen nur marginal unterhalb des Vorjahres erzielt (-0,2 %), während das Lagergeschäft den Vorjahreswert mit -11,2 % deutlich verfehlte.

Entwicklung des Geschäftsvolumens in einzelnen Bereichen

Mit einem Geschäftsvolumen von 419,2 Millionen Euro übertraf der Bereich Stahl aufgrund gestiegener abgesetzter Tonnagemengen das Vorjahr um +6,5 %. Der Bereich TeamFaktor/Services konnte den Vorjahreswert per März mit einem Geschäftsvolumen von 317,0 Millionen Euro und einem Anstieg von +3,3 % ebenfalls übertreffen.

Mit einem Geschäftsvolumen von 91,1 Millionen Euro und einem Rückgang von -22,0 % hat der Geschäftsbereich Bau das erste Quartal abgeschlossen. Ursächlich hierfür waren die weiterhin angespannte konjunkturelle Lage sowie der Verlust eines großen Fachhandelspartners im ZR-Geschäft in der zweiten Jahreshälfte 2025.

Der Geschäftsbereich Handwerk & Industrie erzielte insgesamt ein Geschäftsvolumen von 281,8 Millionen Euro und lag damit -6,2 % unterhalb des Vorjahres. Auch hier resultierte die rückläufige Entwicklung insbesondere aus dem Verlust eines großen Fachhandelspartners.

Das Lagergeschäft wurde im ersten Quartal weiterhin durch die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Dieser Trend wird sich auch im laufenden Jahr fortsetzen, sodass der Fokus in erster Linie auf der Akquisition neuer Partner liegt.

Der Geschäftsbereich Haustechnik hat den Vorjahreswert mit einem Geschäftsvolumen von 92,3 Millionen Euro insgesamt nur marginal verfehlt (-0,3 %).

Prognose für das Geschäftsjahr 2026

Die Geschäftsentwicklung von NORDWEST ist auch im kommenden Jahr eng mit der konjunkturellen Situation verbunden, insbesondere in den baunahen Segmenten. Wachstumsimpulse sollen vor allem aus der Akquisition neuer Fachhandelspartner, dem Ausbau des Bestandskundengeschäfts sowie der Intensivierung der Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelspartnern resultieren. Unverändert richtet NORDWEST seinen Fokus darauf, alle Partner mit leistungsfähigen Services und passgenauen Lösungen bestmöglich zu unterstützen.

Die konsequent vorausschauende Strategie von NORDWEST zielt darauf ab, auch in einem herausfordernden Marktumfeld Stabilität, Investitionsfähigkeit und Zukunftssicherheit zu gewährleisten. Das Verbundunternehmen setzt die angestoßenen Großprojekte weiterhin konsequent um, um optimal auf eine nachhaltige Erholung der Konjunktur vorbereitet zu sein.

Wesentliche Bausteine dieser Zukunftsagenda sind die Weiterentwicklung der Exklusivmarke TECWERK, der Ausbau der Haustechnik-Exklusivmarke delphis sowie der fortlaufende Ausbau der Finanzdienstleistungen in Factoring und Zentralregulierung – national wie international. Darüber hinaus treibt NORDWEST die Digitalisierung der Geschäftsprozesse gezielt voran, um die Effizienz im Verbundunternehmen und bei den angeschlossenen Partnern weiter zu steigern.

Fokus auf das Lagergeschäft

Im Fokus der Zukunftsinvestitionen steht das neue, hochmoderne NORDWEST-Logistikzentrum im hessischen Alsfeld. Damit werden zusätzliche Voraussetzungen geschaffen, um die logistische Leistungsfähigkeit weiter zu stärken und langfristiges Wachstum abzusichern.

Kurze Lieferzeiten und die Möglichkeit zur direkten Endkundenbelieferung unterstützen die Fachhandelspartner dabei, ihre Kapitalbindung durch geringere Lagerbestände am Point of Sale zu reduzieren. Der Go-live des neuen Megalagers wird Mitte des Jahres starten und Ende des ersten Quartals 2027 mit der vollständigen Inbetriebnahme des Automatischen Kleinteilelagers (AKL) abgeschlossen sein.

Ausweitung der Europa-Aktivitäten

Nach dem erfolgreichen Start der Zusammenarbeit mit der belgischen Van Marcke Group und dem französischen Handelshaus SAS Richardson soll die internationale Zentralregulierung im Bereich Haustechnik weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig ist eine Expansion der internationalen Angebote und Dienstleistungen auf die Warenbereiche Bau, Handwerk und Industrie vorgesehen.

Die NORDWEST-Tochter TeamFaktor NW GmbH fungiert dabei mit ihrer weitreichenden Expertise als Dienstleister für die prozessuale Begleitung der internationalen Zentralregulierung, die durch ein Partner-Kreditinstitut abgewickelt wird.

Generell wird NORDWEST auch in diesem Geschäftsjahr den Ausbau des Europageschäftes durch neue Lieferanten, Kooperationen und Händler weiterhin forcieren.

Erwartete Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche

Für 2026 wird in den baunahen Segmenten von einem weiterhin herausfordernden Markt ausgegangen. Gleichzeitig zeigen sich erste positive Signale im Wohnungs- und Wirtschaftsbau sowie durch angekündigte staatliche Investitionsprogramme. Demgegenüber sind Umsatzverluste aus bereits erfolgten Insolvenzen zu berücksichtigen, sodass für den Geschäftsbereich Bau insgesamt von einer weiterhin volatilen Entwicklung ausgegangen wird.

Im Bereich Handwerk & Industrie rechnet NORDWEST 2026 mit einer Belebung der Geschäftsaktivitäten. Wachstumsimpulse sollen insbesondere durch den Ausbau der Aktivitäten im angrenzenden europäischen Ausland sowie durch weitere Fachhandelspartneranbindungen generiert werden – insbesondere im Lagergeschäft mit seinen auf Fachhändlerbedürfnisse ausgerichteten Prozessen.

Im Bereich Stahl bleibt die Prognose für 2026 aufgrund volatiler Preis- und Mengenentwicklungen, globaler Unsicherheiten sowie neuer regulatorischer Anforderungen – insbesondere durch die Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) – mit Unsicherheiten behaftet.

Im Geschäftsbereich Haustechnik wird 2026, wenn überhaupt, mit einer minimalen konjunkturellen Verbesserung gerechnet, getragen vornehmlich durch Impulse im Wohnungsbau und in der Renovierung. Der weitere Ausbau internationaler Fachhandelspartnerstrukturen steht im Fokus. Gleichzeitig gilt es, Fachhandelspartnerabgänge durch Neugeschäft zu kompensieren.

Für den Geschäftsbereich TeamFaktor/Services wird unter Berücksichtigung von Kundenzu- und -abgängen insgesamt von einer nahezu ausgeglichenen Entwicklung ausgegangen.

Quelle und Fotos: NORDWEST Handel AG