Nippon Steel investiert 900 Millionen Euro in neuen Elektrolichtbogenofen in Europa
von Hubert Hunscheidt
Nippon Steel treibt den Ausbau der Elektrolichtbogenofen-Route in Europa voran. Die slowakische Tochter U. S. Steel Košice (USSK) investiert rund 900 Millionen Euro in einen neuen Elektrolichtbogenofen (EAF) und eine Luftzerlegungsanlage am Stahlstandort Košice. Für das Vorhaben stehen Fördermittel von bis zu 350 Millionen Euro aus dem EU-Modernisierungsfonds zur Verfügung.
Der neue EAF soll über eine jährliche Produktionskapazität von rund 1,6 Millionen Tonnen verfügen und 2030 in Betrieb gehen. Anders als bei einer vollständigen Umstellung des Standorts wird der Elektrolichtbogenofen zunächst gemeinsam mit den bestehenden Hochofenanlagen betrieben. Damit setzt USSK auf eine hybride Produktionsstruktur, die eine schrittweise Reduzierung der CO₂-Emissionen mit der Sicherung der bestehenden Stahlversorgung verbinden soll.
EAF ergänzt bestehende Hochofenroute
Mit dem Elektrolichtbogenofen will USSK seine Produktionsstruktur flexibler aufstellen und gleichzeitig die CO₂-Intensität der Stahlerzeugung reduzieren. Für Nippon Steel ist das Projekt zugleich ein wichtiger Baustein seiner europäischen Strategie für CO₂-ärmeren Stahl.
Ergänzend zum EAF entsteht eine neue Luftzerlegungsanlage (Air Separation Unit, ASU). Sie soll 2029 den Betrieb aufnehmen und die für die Stahlproduktion benötigten Industriegase bereitstellen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Anlage zudem zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Verringerung der CO₂-Emissionen beitragen.
Am 15. September unterzeichnete USSK mit der slowakischen Regierung eine Fördervereinbarung. Sie ermöglicht Zuschüsse von bis zu 310 Millionen Euro für den Elektrolichtbogenofen und weitere 40 Millionen Euro für die Luftzerlegungsanlage. Die Mittel stammen aus dem EU-Modernisierungsfonds.
Košice wird zentraler Europa-Standort von Nippon Steel
Die Investition fällt mit einer Neuordnung der europäischen Aktivitäten von Nippon Steel zusammen. Zum 1. Oktober 2026 soll U. S. Steel Košice eine direkte Tochtergesellschaft des japanischen Stahlkonzerns werden und künftig unter dem Namen Nippon Steel Slovakia s.r.o. (NSSK) firmieren.
Nippon Steel will den Standort als zentralen operativen Hub seiner europäischen Aktivitäten positionieren. Neben der Dekarbonisierung nennt der Konzern die langfristige Wettbewerbsfähigkeit, eine stabile Versorgung der europäischen Kunden sowie den Erhalt von Beschäftigung als Ziele.
Mit einer geplanten Kapazität von 1,6 Millionen Tonnen erweitert das Projekt zugleich die künftig verfügbare EAF-Kapazität in Europa. Bemerkenswert ist dabei der schrittweise Ansatz: In Košice soll die Elektrolichtbogenofen-Route nicht unmittelbar die klassische Hochofenproduktion ersetzen, sondern zunächst parallel zu ihr betrieben werden.
Quelle und Foto: NIPPON STEEL CORPORATION