Niedrigwasser gefährdet Industrietransporte: Binnenhäfen fordern EU-Maßnahmen

von Hubert Hunscheidt

Lange Trockenperioden und sinkende Pegelstände werden zunehmend zum Problem für die europäische Industrie. Besonders betroffen sind Unternehmen, die große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten über Binnenwasserstraßen transportieren. Der europäische Binnenhafenverband European Federation of Inland Ports (EFIP) begrüßt deshalb den Vorschlag der EU-Kommission für ein europäisches Gesetz zur Klimaresilienz. Gleichzeitig fordert der Verband, die besonderen Anforderungen der Binnenschifffahrt ausdrücklich in der geplanten Regelung zu berücksichtigen.

Der am 27. Oktober 2026 vorgestellte Vorschlag sieht unter anderem vor, dass die Mitgliedstaaten bis 2029 nationale Klimarisikobewertungen und bis Ende 2030 entsprechende Resilienzpläne erarbeiten. Bei grenzüberschreitenden Risiken sollen sich benachbarte EU-Staaten abstimmen. Nach Angaben der EU-Kommission verursachten klimabedingte Ereignisse zwischen 2022 und 2025 wirtschaftliche Schäden von rund 200 Milliarden Euro in der Europäischen Union.

Stahlindustrie auf funktionierende Wasserstraßen angewiesen

Für die Stahlindustrie sind Binnenhäfen und Wasserstraßen wichtige Bestandteile der Rohstoffversorgung. Eisenerz, Kohle, Schrott und weitere Massengüter werden in großen Mengen per Binnenschiff transportiert. Auch die chemische Industrie, die Energiewirtschaft und die Baustoffbranche sind auf leistungsfähige Wasserstraßen angewiesen.

Sinken die Pegelstände, können Frachtschiffe nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Dadurch steigen die Transportkosten je Tonne. Bei extremem Niedrigwasser müssen Transporte teilweise vollständig eingestellt werden. Für Industrieunternehmen kann dies zu höheren Beschaffungskosten und Einschränkungen der Produktion führen.

„Niedrigwasser ist kein lokales Problem, und seine Auswirkungen nehmen zu“, erklärte EFIP-Präsident Uwe Kühn. Da die Binnenschifffahrt grenzüberschreitend organisiert sei, müsse auch die Antwort auf europäischer Ebene erfolgen.

Ein kurzfristiger Wechsel auf Straße oder Schiene sei nach Einschätzung des Verbandes häufig nicht möglich, weil dort ausreichende zusätzliche Transportkapazitäten fehlten.

Verbindliche Ziele und Investitionen gefordert

EFIP kritisiert, dass der Vorschlag der EU-Kommission zwar kritische Verkehrssysteme und Wassersicherheit berücksichtigt, die Binnenschifffahrt jedoch nicht ausdrücklich nennt.

Der Verband fordert deshalb, Binnenwasserstraßen und Häfen in die geplanten Klimarisikobewertungen aufzunehmen. Die Mitgliedstaaten sollten gemeinsame Szenarien für Niedrig- und Hochwasser entwickeln und ihre Maßnahmen entlang grenzüberschreitender Flusseinzugsgebiete koordinieren.

Darüber hinaus verlangt EFIP messbare Ziele für die Befahrbarkeit der Wasserstraßen unter extremen Wetterbedingungen. Nationale Resilienzpläne müssten konkrete Zuständigkeiten, Investitionsbedarfe und Finanzierungsquellen benennen.

Für die Umsetzung fordert der Verband Unterstützung aus dem künftigen EU-Haushalt. Die Mittel sollen unter anderem in die Unterhaltung der Fahrrinnen, den Hochwasserschutz von Binnenhäfen und die Ann Federation of Inland Ports (EFIP)passung der Logistik an niedrige Wasserstände fließen.

Aus Sicht von EFIP geht es dabei nicht allein um die Zukunft der Binnenschifffahrt. Eine zuverlässige Transportinfrastruktur sei auch Voraussetzung dafür, dass energie- und rohstoffintensive Industrien in Europa wettbewerbsfähig bleiben.

Quelle und Foto: European Federation of Inland Ports (EFIP)