Rekord-Niedrigwasser auf Donau und Rhein belastet Schifffahrt und Industrie

von Hubert Hunscheidt

Niedrigwasser wird zur strukturellen Herausforderung

Anhaltende Trockenheit und der beschleunigte Gletscherrückgang verändern die Wasserführung der Flüsse in Mitteleuropa nachhaltig. Donau und Rhein werden zunehmend durch Niederschläge gespeist, wodurch sich die Extreme zwischen Hoch- und Niedrigwasser verstärken. Am Pegel Pfelling an der Donau wurde nun mit 222 Zentimetern der bisherige Tiefststand aus dem Jahr 2018 (228 Zentimeter) unterschritten. Unter diesen Bedingungen können viele Binnenschiffe aufgrund ihres Tiefgangs nicht mehr verkehren.

Damit ist Niedrigwasser keine vorübergehende Ausnahmesituation mehr, sondern entwickelt sich zu einer strukturellen Herausforderung – insbesondere für die Binnenschifffahrt, die als klimafreundlicher Verkehrsträger eine wichtige Rolle für nachhaltige Logistik und den Klimaschutz spielt. Im Vergleich zum Straßengüterverkehr verursacht der Transport per Binnenschiff deutlich geringere CO₂-Emissionen pro transportierter Tonne, entlastet Straßen und reduziert Luftschadstoffe.

Industrie und Logistik unter Druck

Von den niedrigen Wasserständen betroffen sind unter anderem die Agrarwirtschaft, die Stahl- und Baustoffindustrie, die Hafenwirtschaft sowie zahlreiche weitere Nutzer der Wasserstraßen. Während staugeregelte Flüsse wie der Main durch den Schleusenbetrieb derzeit vergleichsweise stabil bleiben, zeigen sich auf den frei fließenden Abschnitten von Donau und Rhein die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich.

MSG und Bavaria sichern Transporte

Trotz der extrem niedrigen Pegelstände können die Reedereien MSG eG und Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG weiterhin Transporte durchführen. Beide Unternehmen setzen gezielt Schiffe ein, die auch bei reduzierter Fahrrinnentiefe betrieben werden können.

„Wir passen Beladung, Routen und Fahrpläne laufend an die eingeschränkte Schiffbarkeit an und halten Transporte von Agrarprodukten, Baustoffen, Stahl und weiteren Gütern bestmöglich aufrecht“, erklärt Martin Staats, Vorstand der MSG eG in Würzburg.

Andreas Dicke, Vorstand der Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG in Stockstadt, ergänzt: „Niedrigwasser in dieser Intensität ist für alle eine enorme Herausforderung. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um die Lieferketten zu stabilisieren.“

Forderung nach klimafesten Wasserstraßen

Nach Ansicht beider Unternehmen macht die aktuelle Situation deutlich, dass die Wasserstraßen an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden müssen. Dazu zählen der Ausbau kritischer Flussabschnitte, verlässliche Pegel- und Prognosedaten, die Förderung moderner Flotten sowie eine abgestimmte Strategie von Bund, Ländern und Infrastrukturbetreibern.

„Die Wasserstraße bleibt ein klimafreundlicher und leistungsfähiger Verkehrsträger, wenn wir sie jetzt gemeinsam an die neue Realität anpassen“, betont Martin Staats. Andreas Dicke ergänzt: „MSG und Bavaria stehen bereit, mit ihrer Erfahrung und ihren Flotten aktiv an Lösungen mitzuwirken.“

Die MSG eG mit Sitz in Würzburg und die Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG aus Stockstadt zählen zu den größten Binnenschifffahrtsgesellschaften Süddeutschlands. Beide Unternehmen sind auf den Rhein-Main-Donau-Verkehr spezialisiert, über mehrere Beteiligungsgesellschaften miteinander verbunden und betreiben gemeinsam eine Flotte von rund 85 Schiffseinheiten.

Quellen und Bild: MSG eG, Würzburg und BAVARIA SchiƯahrts- und Speditions-AG, Stockstadt