Niedrigwasser am Rhein verschärft Druck auf Industrie und Lieferketten
von Hubert Hunscheidt
Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein entwickelt sich zunehmend zu einem Risiko für die deutsche Industrie. Da Binnenschiffe ihre Ladung nur noch eingeschränkt transportieren können, steigen die Frachtkosten, während die Versorgung von Stahl-, Chemie- und Energieunternehmen unter Druck gerät.
Nach einer Niedrigwasser-Konferenz in Bonn kündigte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger kurzfristige Maßnahmen an, um Lieferketten zu stabilisieren. Geprüft werden unter anderem Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw, beschleunigte Genehmigungen für Schwertransporte sowie eine bessere Koordinierung von Straßenbaustellen. Gleichzeitig soll DB Cargo zusätzliche Kapazitäten im Schienengüterverkehr bereitstellen.
Wirtschaftsvertreter warnen jedoch, dass diese Maßnahmen die strukturellen Probleme nur teilweise entschärfen. Besonders Unternehmen entlang des Rheins sind auf den Transport großer Mengen von Rohstoffen und Vorprodukten per Binnenschiff angewiesen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erinnert an die Niedrigwasserphase 2018, die die deutsche Wirtschaftsleistung um rund 0,4 Prozent belastete. Auch diesmal seien vergleichbare Auswirkungen nicht auszuschließen.
Vor allem die Chemieindustrie sieht erhebliche Risiken. Geringere Schiffsladungen verteuern den Transport und können zu Lieferengpässen sowie Produktionskürzungen führen. Zudem könnten Einschränkungen bei der Versorgung der Raffinerien entlang des Rheins steigende Kraftstoffpreise nach sich ziehen.
Langfristig fordert die Industrie eine klimafeste Modernisierung der Wasserstraßen. DIHK, BDI und Binnenhafenverbände sprechen sich für die Beseitigung von Engstellen, die Optimierung der Fahrrinnen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren aus. Allein ein Rückgang der Transportkapazität auf dem Rhein um 25 Prozent entspreche rund drei Millionen Tonnen Fracht pro Monat – eine Menge, die weder Straße noch Schiene vollständig übernehmen könnten.
Während Umweltverbände vor weitreichenden Eingriffen in die Flussökologie warnen, betont die Bundesregierung, wirtschaftliche Erfordernisse und Naturschutz gleichermaßen berücksichtigen zu wollen. Einig sind sich Politik und Wirtschaft jedoch darin, dass der Rhein angesichts zunehmender Extremwetterereignisse widerstandsfähiger werden muss.
Quelle: TECVIA Media GmbH / Foto: BDV Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt