Neue Stahlkapazitäten und verschärfte Handelsmaßnahmen prägen den globalen Markt
von Hubert Hunscheidt
Europa
ArcelorMittal investiert in Hochöfen, Beschichtung und Elektrostahl
ArcelorMittal wird im Juni den Hochofen Nr. 1 an seinem Standort Fos-sur-Mer im Süden Frankreichs wieder in Betrieb nehmen, nachdem umfangreiche Modernisierungsarbeiten zur Verlängerung der Lebensdauer abgeschlossen wurden. Der Neustart wird durch eine Investition von 90 Millionen Euro unterstützt. Hochofen Nr. 2 bleibt weiterhin in Betrieb, während parallel Studien zur künftigen Nutzung von Elektrolichtbogenöfen fortgesetzt werden.
In Belgien plant ArcelorMittal, die Galvanisierlinie Galva 5 in Flémalle ab dem zweiten Quartal 2026 wieder anzufahren. Die modernisierte Anlage wird warmgewalzte Coils aus Gent verarbeiten und die Kapazität im Bereich beschichteter Stähle wieder erhöhen.
Zudem hat das Unternehmen am Standort Mardyck in Nordfrankreich die erste Coil auf neuen Elektrostahllinien produziert. Das Investitionsprojekt in Höhe von 500 Millionen Euro wird die europäische Produktionskapazität für Elektrostahl auf rund 295.000 Tonnen pro Jahr steigern.
Marcegaglia baut neues Stahlwerk in Frankreich
Marcegaglia hat mit Danieli einen Vertrag über 450 Millionen Euro zur Errichtung eines neuen Stahlwerks und Warmwalzwerks in Fos-sur-Mer abgeschlossen. Die Anlage soll jährlich mehr als zwei Millionen Tonnen Rohstahl und bis zu drei Millionen Tonnen warmgewalzte Coils aus Kohlenstoff- und Edelstahl produzieren.
Das Projekt ist Teil eines Gesamtinvestitionsvolumens von rund einer Milliarde Euro. Die Produktion wird auf Schrott und flüssigem Eisen basieren und unter Einsatz von Kernenergie sowie erneuerbaren Energien erfolgen. Nach Inbetriebnahme soll der Standort etwa ein Drittel des Bedarfs an Coils und Brammen von Marcegaglia decken.
Celsa modernisiert EAF-Anlage in Spanien
SMS hat die Modernisierung des Elektrolichtbogenofens Nr. 2 im Werk Castellbisbal von Celsa in Spanien abgeschlossen. Die Maßnahmen umfassen Anpassungen an elektrischen und automatisierten Systemen sowie die Installation eines Schlackentürsystems. Ziel ist es, den Ertrag zu steigern, den Energieverbrauch zu senken und Materialverluste zu reduzieren. Die Gesamtproduktion des Werks liegt bei rund 2,4 Millionen Tonnen jährlich.
EU verschärft Stahlhandelsschutz
Das Europäische Parlament und der Rat haben sich auf ein neues Stahlhandelssystem verständigt, das ab dem 1. Juli 2026 in Kraft treten soll. Vorgesehen sind zollfreie Importquoten von 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr sowie Strafzölle von 50 Prozent für darüber hinausgehende Mengen.
Neu ist zudem die verpflichtende „Melt-and-Pour“-Regelung zur Bestimmung der Herkunft von Stahlprodukten. Die EU-Kommission arbeitet aktuell an weiteren Detailregelungen zur Kontingentverteilung und Dokumentationspflicht. Das System soll die bestehenden Schutzmaßnahmen ersetzen, wobei WTO-Konsultationen zur Absicherung der Regelkonformität laufen.
CBAM: CO₂-Preis für Importe konkretisiert
Die Europäische Kommission hat den ersten CBAM-Zertifikatspreis für das erste Quartal 2026 auf 75,36 Euro pro Tonne CO₂ festgelegt. Der Wert basiert auf dem durchschnittlichen Auktionspreis des EU-Emissionshandelssystems und dient als Referenz für importierte Waren.
Die Preise werden 2026 quartalsweise veröffentlicht, ab 2027 ist eine wöchentliche Anpassung vorgesehen, um die Entwicklung des EU-ETS genauer abzubilden.
Keine vorläufigen Antidumpingzölle auf Kaltbandimporte
Die EU-Kommission verzichtet vorerst auf Antidumpingzölle für kaltgewalzte Coils aus Indien, Japan, Taiwan, der Türkei und Vietnam. Die Untersuchung läuft seit September 2025. Seit Dezember müssen entsprechende Importe registriert werden, um gegebenenfalls rückwirkend Abgaben erheben zu können. Eine Entscheidung über endgültige Maßnahmen wird im September erwartet.
Großbritannien führt neue Edelstahl-Quoten ein
Die britische Regierung plant ab dem 1. Juli 2026 neue Zollkontingente für Edelstahl-Langprodukte. Betroffen sind Edelstahlstäbe und Drahtstähle, die erstmals in das Schutzsystem aufgenommen werden. Für Mengen oberhalb der Quoten gilt ein Strafzoll von 50 Prozent.
Die Maßnahmen sind Teil der britischen Stahlstrategie mit dem Ziel, den Anteil der heimischen Produktion am nationalen Bedarf auf 50 Prozent zu steigern.
Nordamerika
Hyundai-Posco investiert in neues Flachstahlwerk
Die Fives Group erhielt den Auftrag zur Lieferung von Coilveredelungslinien für ein neues Flachstahlwerk in Louisiana. Die Anlage wird auf einer Kombination aus Direktreduktion und Elektrolichtbogenofen basieren und soll jährlich rund 2,7 Millionen Tonnen Flachstahlprodukte herstellen.
Rund 70 Prozent der Produktion sind für die Automobilindustrie vorgesehen. Der Produktionsstart ist für 2029 geplant.
Ostasien
Jindal Stainless baut Kapazitäten aus
Jindal Stainless hat gemeinsam mit der Tsingshan Group in Indonesien eine neue Schmelzanlage mit einer Kapazität von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr in Betrieb genommen. Damit steigt die Gesamtschmelzkapazität des Unternehmens auf 4,2 Millionen Tonnen.
Parallel investiert das Unternehmen in den Ausbau seiner Weiterverarbeitungskapazitäten in Indien und plant zusätzliche Kaltwalzprojekte bis 2028.
Nippon Steel modernisiert Produktion und stellt auf EAF um
Nippon Steel hat eine neue Warmbandstraße in Nagoya in Betrieb genommen, die eine Kapazität von rund sechs Millionen Tonnen pro Jahr aufweist. Die Anlage ist auf die Produktion hochfester Flachstähle für die Automobilindustrie ausgelegt.
Zudem beginnt das Unternehmen mit der Umstellung eines Standorts auf Elektrolichtbogenofen-Technologie mit einer geplanten Kapazität von zwei Millionen Tonnen jährlich ab 2029.
China investiert in hochwertige Produkte
Valin Xianggang investiert 125 Millionen US-Dollar in eine neue Walzlinie für Rund- und Flachstäbe, um hochwertige Spezialstähle zu produzieren. Parallel hat Shandong Fulun Iron & Steel eine modernisierte Stranggießanlage mit einer Kapazität von 900.000 Tonnen pro Jahr in Betrieb genommen.
Die Investitionen zielen auf eine höhere Produktqualität und die Ausrichtung auf anspruchsvolle Anwendungen wie Pipelinebau, Windenergie und Maschinenbau.
Quelle: MEPS International Ltd. / Foto: Fotolia