Neue EU-Handelsschutzmaßnahmen stärken Europas Stahlhersteller
von Hubert Hunscheidt
Die angekündigten neuen EU-Handelsschutzmaßnahmen verbessern die Perspektiven der europäischen Stahlindustrie deutlich. Vor allem ArcelorMittal, thyssenkrupp und Salzgitter berichten nach dem ersten Quartal 2026 von einer stabileren Marktentwicklung und besseren Ergebnissen.
Ab dem 1. Juli 2026 treten verschärfte Schutzmaßnahmen für Stahlimporte in Kraft. Neben reduzierten Zollkontingenten sind Strafzölle von 50 Prozent auf Importmengen oberhalb der Quoten vorgesehen. In Kombination mit dem CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM erwarten viele Hersteller eine höhere Kapazitätsauslastung und bessere Margen.
ArcelorMittal erklärte, die neuen Regelungen könnten die Auswirkungen geopolitischer Risiken und steigender Energiekosten infolge des Nahostkonflikts mehr als ausgleichen. Der Konzern plant unter anderem die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Hochöfen in Fos-sur-Mer (Frankreich) und Dabrowa (Polen). Parallel wird der Ausbau von Elektrostahlkapazitäten in Spanien vorangetrieben.
Auch Salzgitter profitierte im ersten Quartal von verbesserten Marktbedingungen. Das EBITDA der Stahlsparte stieg von 39 auf 80 Millionen Euro. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, Hochofen C im Herbst 2026 wieder anzufahren – zeitgleich mit der Einführung der neuen EU-Schutzmaßnahmen.
thyssenkrupp Steel Europe meldete ebenfalls eine verbesserte Ergebnisperspektive. Die geplanten Gespräche über einen Einstieg der indischen Jindal Group wurden vorerst ausgesetzt. Als Grund nennt thyssenkrupp die verbesserten Aussichten für das europäische Stahlgeschäft infolge der neuen EU-Handelsschutzinstrumente.
Nach Angaben von Marktbeobachtern verändern sich bereits die Einkaufsstrategien vieler europäischer Stahlkäufer. Aufgrund der Unsicherheit über künftige Importzölle verlagern zahlreiche Händler ihre Beschaffung zunehmend auf europäische Produzenten. Teilweise sei der Anteil heimischer Bezugsquellen von zuvor überwiegend importbasierten Einkaufsstrategien auf bis zu 90 Prozent gestiegen.
Trotz der verbesserten Marktstimmung bleibt die Lage herausfordernd. Die Rohstahlproduktion der EU sank im ersten Quartal 2026 laut worldsteel-Daten um 2,6 Prozent auf 31,7 Millionen Tonnen. Deutschland konnte seine Produktion dagegen um 9,3 Prozent steigern.
Quelle: MEPS International Ltd. / Foto: marketSTEEL